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#014 „Sie waren ja schon wieder krank“

#014 „Sie waren ja schon wieder krank“
Brennende Themen im Führungsalltag...

 
 
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Für viele unserer Partner ist ein hoher Krankenstand eine alltägliche belastende Herausforderung. Ein echter Kittelbrennfaktor – deshalb widmen wir diesem Thema eine weitere Folge.

Auswirkungen, krankenquote, krankenstand

Viele Krankmeldungen und so mancher „Wiederholungstäter“ können schnell zu Frustration und somit zu einer negativen Einstellung führen. Wie gehen Sie als Führungskraft mit Krankmeldungen um? Wie ist Ihre Haltung zum Thema? Können Sie bei Krankmeldungen noch wertfrei kommunizieren?

In dieser Folge sprechen wir darüber, warum es wichtig ist das Thema aktiv anzusprechen, wie mit Rückkehrern umgegangen werden kann und welche Rolle Ängste spielen. Das Thema lässt sich nicht totschweigen, der Schlüssel ist gute Kommunikation.

Laden Sie sich hier unsere Visualisierung des Teufekreislaufs “Krankenquote” runter (Abbildung rechts).


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Krankmeldungen aktiv ansprechen und thematisieren Das Vorgehen bei einer Krankmeldung klären Umgang mit einer Krankmeldung als Chef Ängste und Kommunikation Wer schreibt einen krank? Umgang mit der Rückkehr nach Krankschreibung Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  1.  
    Ralf:

    Jetzt geht’s los.

  2.  
    Jennifer:

    Irgendwie beginnst du ja unsere Podcast-Folgen immer.

  3.  
    Ralf:

    Und das zu Recht.

  4.  
    Jennifer:

    Denkst du.

  5.  
    Ralf:

    Wieso? Ich habe einen Mecker gekriegt.

  6.  
    Jennifer:

    Was heißt Mecker?

  7.  
    Ralf:

    Ja. Also zum Teil wurde ein bisschen kritisiert so dieses, ja, Chefs sind nie krank und Mitarbeiter machen krank. Da habe ich Schelte für bekommen.

  8.  
    Jennifer:

    Okay. Also daher widmen wir dann heute diese Folge noch mal dem Thema Krankmeldung beziehungsweise Gesundung und steigen da dann gemeinsam noch mal bei diesem spannenden Thema ein.

  9.  
    Ralf:

    Das Wort Krankmeldung ist schon falsch, es heißt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Und das heißt, wenn du am Fuß was hast und kannst nicht laufen, aber sitzen, dann kannst du wenigstens noch Büroarbeit machen. Ist ja kein Grund dann nicht zur Arbeit zu kommen, nur weil du was am Fuß hast, oder? Du hast ja nichts am Kopf.

  10. Krankmeldungen aktiv ansprechen und thematisieren

  11.  
    Jennifer:

    Ja, also ich finde, na, das ist das Thema Klarheit oder Bewusstheit, auch bewusst zu sein, okay, ich habe, in Anführungszeichen, was „am Fuß“, aber nichts am Kopf und kann somit meinem Bürojob nachgehen. Das heißt ja …

  12.  
    Ralf:

    Und wann spricht man darüber? Wenn es zu spät ist. Wenn man denkt, der könnte doch kommen.

  13.  
    Jennifer:

    Genau.

  14.  
    Ralf:

    Der hat ja nur was am Fuß und sitzt bei mir im Büro, dann könnte er doch, der hat doch nichts an den Fingern und an den Augen. Wann sprechen wir drüber? Zu spät. 1. Regel: Vorher mal klären, was das bedeutet. Der Unterschied zwischen einer Krankmeldung und einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Wann thematisieren wir das? Gar nicht.

  15.  
    Jennifer:

    Gar nicht. Mhm (verneinend).

  16.  
    Ralf:

    Ja.

  17.  
    Jennifer:

    Mhm (verneinend). Also im Endeffekt geht man ja auch hin zum Arzt, wenn man dann zum Arzt hingeht und sagt im Endeffekt, ich bin krank, okay, und ich reiche die Krankmeldung ein. Also es macht sich ja keiner einen Kopf drum, wie das wirklich heißt und was das wirklich bedeutet.

  18.  
    Ralf:

    Lass uns mal ganz von vorne anfangen.

  19.  
    Jennifer:

    Gerne.

  20. Das Vorgehen bei einer Krankmeldung klären

  21.  
    Ralf:

    Wann reicht man die ein?

  22.  
    Jennifer:

    Wenn ich krank bin.

  23.  
    Ralf:

    Ich rufe sofort an, wenn ich merke, dass ich am nächsten Tag nicht, dass es mir nicht gutgeht. Also meine Meinung, ich würde mir wünschen, dass ein Mitarbeiter nicht erst zum Arzt geht und dann die Krankmeldung einreicht, sondern dass er vorher anruft, ich gehe zum Arzt, mir ist nicht gut und ich werde morgen nicht kommen.

  24.  
    Jennifer:

    Ja, das ist schon direkt …

  25.  
    Ralf:

    Dann kann ich mich vorbereiten, oder?

  26.  
    Jennifer:

    Ja, das ist ja direkt schon ein Schlüsselpunkt. Ich finde, das gemeinsam halt eben zu thematisieren …

  27.  
    Ralf:

    Ja.

  28.  
    Jennifer:

    und zu sagen, wie wünschen wir uns den Umgang mit Krankheit …

  29.  
    Ralf:

    Richtig.

  30.  
    Jennifer:

    oder mit nicht wohl sein. So ist es dann so, ich schlafe erstmal und starte morgens, rufe kurz vorher an, im Prinzip Frühdienst steht an, ich kann nicht kommen, ich muss erstmal zum Arzt.

  31.  
    Ralf:

    Ja, dann rufe ich …

  32.  
    Jennifer:

    Oder ich merke es abends schon und kümmere mich frühzeitig.

  33.  
    Ralf:

    Ja. Und das ist geregelt, wem und ist es okay, das am Sonntag zu machen? Ja, ich wollte sonntags niemand stören. Ich wusste auch nicht, wie. Das muss geregelt werden. Ich würde mir wünschen eben, früh genug Bescheid zu wissen, dass ich noch was regeln kann. Und dann wünsche ich mir einen persönlichen Anruf, persönlich. Keine WhatsApp, nicht die Mama ruft an, nicht der Partner ruft an und sagt, mein Mann kommt heute nicht, weil dem geht’s nicht gut, der war beim Arzt und der ist bis Freitag krankgeschrieben.

  34.  
    Jennifer:

    Was macht denn für dich den Unterschied, wenn jemand dann persönlich anruft? Was ist der Mehrwert für dich?

  35.  
    Ralf:

    Für mich ist der Mehrwert Vertrauen, Direktheit, Umgang miteinander, dass ich auch höre, fragen kann, dass wir drüber reden. Und nicht sowas hinschmeißen und weggelaufen und jetzt mach was damit.

  36.  
    Jennifer:

    Ja. Du siehst, dass ich so ein bisschen grinse und ein bisschen schmunzele, weil dieses Hören. Also ich glaube, wir beide haben dann so ein typisches Gespräch im Kopf, wie das ablaufen kann. Telefon schellt halt eben, so jetzt ruft dann jemand an und sagt, ja, übrigens ich … und stammelt vielleicht auch so ein bisschen rum. Ich kann nicht kommen, also ich bin krank und …

  37.  
    Ralf:

    Ah, was hast du denn jetzt schon wieder?

  38.  
    Jennifer:

    Genau. Genau. So eine typische, in Anführungszeichen, „typische“ Reaktion vom Chef, ah, schon wieder du, was hast denn du?

  39.  
    Ralf:

    Ja, deswegen rufen die nicht an, weil sie sich nicht trauen anzurufen, weil sie sich wieder was anhören müssen. Und deswegen schickt man es lieber.

  40. Umgang mit einer Krankmeldung als Chef

  41.  
    Jennifer:

    Ja. Okay. Das heißt, wir haben auf der einen Seite halt eben einen Appell an alle Teammitglieder, wenn ihr euch krankmeldet, macht es frühzeitig. So, aber was ist denn der Appell dann halt eben an die Führungskraft? Also da ist ja auch ganz wichtig, dass Reflektion …

  42.  
    Ralf:

    Der Ton macht die Musik, höre es an, reflektiere, nimm dich mal auf, wie du das, ach, kann man ja nicht, weil man weiß ja nicht, wann die Krankmeldung kommt. Aber manche wissen das schon.

  43.  
    Jennifer:

    Aber trotzdem finde ich, ist das Thema Reflektion, wie gehe ich denn mit so einem Gespräch um? In der Regel bin ich dann ja erst mal, ah, negativ drauf. So. Und ich finde, das fängt da ja schon bei der Körpersprache an. Selbst, wenn ich sage halt irgendwie, oh, du bist krank? Aber das ist ja gar nicht dieses, oh, du bist krank, sondern schon wertend ist im Prinzip, oh, wieder krank. Ja, Schultern hängen, Augenrollen, ja klar, der, vielleicht abwinkende Haltung. Ist ja für den anderen auch spürbar.

  44.  
    Ralf:

    Dann frage ich, was hast du denn?

  45.  
    Jennifer:

    Hm, ja, mir geht’s nicht so gut.

  46.  
    Ralf:

    Ja, aber du bist ja krankgeschrieben, was hast du denn genau?

  47.  
    Jennifer:

    Ja, will ich nicht drüber reden.

  48.  
    Ralf:

    Ja, siehst du, auch schon. Also mein erster Reflex ist, ich will wissen, was hat der überhaupt? Was hat denn der schon wieder? So, das ist mein Reflex.

  49.  
    Jennifer:

    Was ist denn da konkreter Tipp für dich? Dann halt auch gar nicht zu fragen, was hast du denn, sondern sich vielleicht einfach anders empathisch zu zeigen und sagen, oh, wirklich schade, dass du jetzt gerade ausfällst? Vielleicht anders mal mit umgehen?

  50.  
    Ralf:

    Ich finde, das immer vorher klären. Also ich würde es gerne wissen und ich möchte natürlich, wie lange bist du denn krankgeschrieben?

  51.  
    Jennifer:

    Ja, jetzt erst mal die Woche.

  52.  
    Ralf:

    Ah, wieso ganze Woche? Vielleicht geht’s dir ja schon Mittwoch besser?

  53.  
    Jennifer:

    Ja, müssen wir dann mal gucken.

  54.  
    Ralf:

    Also das geht in meinem Kopf ab. Warum ist der krankgeschrieben, wie lange? Ah, schon wieder bis Freitag. Immer bis Freitag, warum, wenn es dem doch wegen Durchfall, wenn es dem dann Mittwoch bessergeht wegen Migräne, wegen Kopfschmerzen, der hat doch wieder gesoffen am Sonntag und dann kommt der Montag nicht. Das sind so meine Gedanken.

  55.  
    Jennifer:

    Ja, sind natürlich stark wertende Gedanken, also so das eigene Kopfkino. Auf der anderen Seite sage ich einem Mitarbeiter …

  56. Ängste und Kommunikation

  57.  
    Ralf:

    Ängste.

  58.  
    Jennifer:

    Mache deutlich, was heißt Ängste?

  59.  
    Ralf:

    Naja, die Angst, die ich habe, die dahinter ist. Ja, ist das wertend, aber es ist auch wieder etwas so Erfahrung, ja, weil ich weiß auch, was das auslöst im Team.

  60.  
    Jennifer:

    Also du meinst, die Angst der Führungskraft?

  61.  
    Ralf:

    Ja.

  62.  
    Jennifer:

    Dass die Führungskraft sagt, ah blöd, jetzt kommt zack, der ganze Rattenschwanz.

  63.  
    Ralf:

    Daher kommt das.

  64.  
    Jennifer:

    Wieder alles umschmeißen und so. Dass da so eine, in Anführungszeichen, „negative“ Reaktion ist.

  65.  
    Ralf:

    Ja. In Wirklichkeit will ich fragen, Mensch, total blöd, achte auf dich, gute Besserung, siehe schnell, dass du ganz schnell gesundwirst, weil du weißt, wir brauchen dich. Und ich hätte eine Bitte, liebe Jenny, wenn es irgendwie geht, du bist zwar bis Freitag krankgeschrieben, aber wir haben das ja thematisiert, es würde uns guttun, wenn du eher wiederkommst. Also, wenn es dir gutgeht und du schaffst es Mittwoch oder Donnerstag, freue ich mich.

  66.  
    Jennifer:

    Ja. Aber ich finde sowas ist halt ein super Beispiel für Wertschätzung. Das passiert ja in der Regel nicht. Wenn so ein Gespräch läuft, ist ja erstmal noch mal in die Kerbe rein. Also jetzt gehen wir mal davon aus, dass es halt eben kein Simulant ist, sondern jemand, der wirklich krank ist.

  67.  
    Ralf:

    Schrecklich, ne?

  68.  
    Jennifer:

    So. Und jetzt fällt der wirklich vielleicht erst mal 5 Tage aus und denkt, meine Güte, das Team, schlechtes Gewissen, sitzt da zuhause, ist selbst vielleicht am Hadern. Ist aber der Dritte, der sich an dem Tag krankgemeldet hat und der kriegt die volle Breitseite ab. Also es wird dem ja nicht zur Gesundung beitragen.

  69.  
    Ralf:

    Nein, der ist 10 Tage krank.

  70.  
    Jennifer:

    Genau. Der wird dann da hängen und sagen, ah und noch mehr fertig. Und von daher finde ich es natürlich schon halt eben einen super Impuls, dass man einfach sagt, versuche in der Situation anders damit umzugehen. Einfach wirklich empathisch zu sein, so wie es vielleicht auch wirklich im Inneren aussieht, losgelöst von den Ängsten und einfach zu gucken, wie kann ich so einen Gesundungsprozess halt fördern. Also ich fand es letztens schön, ein Partner, den ich begleite, der sagte, wir haben halt eben diese gute Seele bei uns im Unternehmen und die schickt jetzt halt eben bei Krankheit Karten halt raus. Und einfach noch mal, hier, wir freuen uns, wenn du zurückkommst, du fehlst. Und wie viel Positives das bewirkt hat.

  71.  
    Ralf:

    Total.

  72.  
    Jennifer:

    Dass halt viele wirklich auch gesagt haben, ah wow, klasse, schön, halt so, und auch geguckt haben, schneller wieder fit zu werden und auch wieder zum Team zurückzukehren.

  73.  
    Ralf:

    Tolle Idee. Finde ich total gut.

  74.  
    Jennifer:

    Also finde ich auch.

  75.  
    Ralf:

    Darf nicht stereotyp sein, muss man aufpassen, aber ganz tolle Geste. Und wenn es mir nicht gelingt, dann sage ich, du, boah Jenny, du bist heute die Dritte, deswegen sei mir nicht böse, dass ich gerade so hier schwer und tief durchatme. Du weißt ja, was das bedeutet, aber trotzdem dir erstmal von Herzen gute Besserung, werde schnell gesund. Wenn ich irgendwas dafür tun kann, lass uns hinterher nochmal reden. Das sollte mein erster Reflex sein. Ein bisschen Transparenz hilft auch.

  76.  
    Jennifer:

    Ja. Für mich ist an der Stelle Offenheit und Ehrlichkeit. Du weißt, das sind mit meine größten Werteantreiber und wenn man damit ehrlich in der Situation umgeht, finde ich, ist ja auch beiden Seiten geholfen.

  77.  
    Ralf:

    Total. Nächster Fall. Donnerstag, ich mache den Plan für die kommende Woche. Jetzt rufe ich dich an. Du Jenny, bist du dann nächste Woche wieder dabei? Ich mache gerade den Plan. Kann ich dich da einplanen? Und was kommt jetzt?

  78.  
    Jennifer:

    Naja.

  79.  
    Ralf:

    Weiß ich noch nicht?

  80.  
    Jennifer:

    Also ich bin dann wahrscheinlich noch nicht fit. Ich muss am Montag nochmal zum Arzt.

  81. Wer schreibt einen krank?

  82.  
    Ralf:

    Noch schlimmer, kann ich noch nicht sagen, ich muss Freitag mal gucken, dann gehe ich zum Arzt. Da habe ich eine ganz andere Haltung zu. Also bei Virus mag das sein, aber jetzt mal unter uns, nur mal unter uns. Wer schreibt einen krank? Ich selber. Der Arzt fragt, ja, Sie waren ja hier wegen der Grippe, wie geht’s ihnen denn?

  83.  
    Jennifer:

    Ja, nicht so gut.

  84.  
    Ralf:

    Ah, oh. Wegen Rücken. Ah nee, ah ja dann müssen wir noch, oder?

  85.  
    Jennifer:

    Ja.

  86.  
    Ralf:

    Das ist doch eher eine Ausschlussdiagnose. Und das stört mich, dass wir da hinterherlaufen müssen, sondern dass man weiß, du, mir geht’s wieder gut, ich will aber zur Sicherheit nochmal hingehen, ob da noch was gegenspricht. Du kannst davon ausgehen, ich bin Montag wieder da. Klingt doch ganz anders als zu sagen, du, weiß ich noch nicht. Ich muss ja erst morgen nochmal zum Arzt. Ich finde wirklich, es gibt Ausnahmen, aber die sind für mich sehr, sehr gering, vielleicht 10, 15 Prozent, der Rest ist, ich weiß selber am besten, wie es mir geht. Stand heute kann ich sagen, du, mir geht’s noch nicht so gut, ich gehe morgen nochmal hin, dann kann man das Wochenende gucken. Sorry, kann ich dir heute nicht sagen. Weißt du, das hilft.

  87.  
    Jennifer:

    Ja. Bin ich sicher, ist halt eben die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Und das hängt an beiden Seiten, finde ich halt eben. Die Führungskraft und genauso der Mitarbeiter, halt dieses gemeinsam halt eben wollen und von beiden Seiten aus halt eben so diesen Impuls reingeben, ja, ich kümmere mich, dass ich zurückkommen kann, und auf der anderen Seite, ich will aber auch, dass du zurückkommst.

  88.  
    Ralf:

    Genau. Finde ich gut. So. Jetzt ist die Krankheit vorbei. Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin kommt den ersten Tag aus der Krankheit.

  89.  
    Jennifer:

    Und die Kollegin sagt, gut, dass du endlich wieder da bist.

  90.  
    Ralf:

    Oder der Chef sagt, na, wie war dein Urlaub?

  91.  
    Jennifer:

    Mhm (bejahend).

  92.  
    Ralf:

    Super.

  93.  
    Jennifer:

    In beiden Fällen volle Punktzahl, würde ich sagen.

  94.  
    Ralf:

    Ja, nach unten. Also ganz schlecht.

  95.  
    Jennifer:

    Wobei ich finde, häufig passiert das auch gedankenlos.

  96.  
    Ralf:

    Gedankenlos. Ja.

  97. Umgang mit der Rückkehr nach Krankschreibung

  98.  
    Jennifer:

    Also dann bist du so drin und denkst, okay, im Endeffekt gut, dass er wieder da ist, aber dann kommt es so rüber mit der passenden oder eben unpassenden Körpersprache, und zack ist derjenige, der vielleicht jetzt sagt, ach schön, dass ich wieder dabei bin, aber direkt Stimmung und Laune auch wieder im Keller.

  99.  
    Ralf:

    Total. Ja.

  100.  
    Jennifer:

    Und denkst, ach, hätte ich auch zuhause bleiben können.

  101.  
    Ralf:

    Ja total. Tut gleich wieder alles weh. Auch ganz wichtig. So. Jetzt habe ich aber ein ungutes Gefühl, 14 Tage wegen Schnupfen weggewesen, ich habe Frust, was mache ich dann?

  102.  
    Jennifer:

    Als Mitarbeiter, wenn du dann wieder zurückkommst?

  103.  
    Ralf:

    Nee, als Chef. Was mache ich als Chef, wenn ich so ein Gefühl hätte, die war jetzt 14 Tage wegen Schnupfen weg, das kann doch gar nicht sein, ist mein Gedankenkarussell.

  104.  
    Jennifer:

    Ja. Thematisieren. Thematisieren.

  105.  
    Ralf:

    Richtig.

  106.  
    Jennifer:

    Also nicht halt für sich behalten, weil häufig ist es dann ja, dass das Fass irgendwann überläuft. Ich habe die Vermutung nochmal, nochmal, und irgendwann sehe ich rot und es platzt alles raus.

  107.  
    Ralf:

    Ja. Jenny, hast du mal Zeit? Ich freue mich, dass du wieder da bist und trotzdem, ich habe heute Nacht schlecht geschlafen. Ich sage dir mal auch, warum. Weil für mich ja irgendwie nicht so verständlich, wie man, das ist bei mir angekommen, Schnupfen, 14 Tage krank, boah, habe ich für mich so ein Fragezeichen gehabt. Und weißt du, bevor ich jetzt da mit diesen Gedanken rumgehe, habe ich gedacht, ich möchte es einfach kurz noch mal besprechen. Wer krank ist, gehört ins Bett und nach Hause, aber mein Eindruck ist, ein Mensch mit Schnupfen, muss man nicht 14 Tage zu Hause sein. Lass uns mal darüber sprechen. Denn ich möchte das auflösen, sonst gehe ich mit so einem schlechten Gefühl hier in die Woche.

  108.  
    Jennifer:

    Ja. Ich finde das Wichtige ist halt eben so, du bringst das jetzt so schön beispielhaft halt eben rein, dass es so Ich-Botschaften sind. Dass ich als Chef dann bei mir ansetze und sage, ist mein Gefühl, so ist es mir damit gegangen halt so. Dann kann auch keiner sagen, ah, stimmt doch nicht, ist doch gar nicht so.

  109.  
    Ralf:

    Du warst schon wieder …, andere auch nicht …. Das sind natürlich alles Killer. Das Thema noch mal Kommunikation. Schreiben wir auch noch mal auf, wichtiges Thema für einen Podcast. Die meisten Multiplikatoren sind kommunikative Analphabeten, leider. Also die Herausforderungen sind größer geworden. Der Ton macht die Musik.

  110.  
    Jennifer:

    Die Art und Weise.

  111.  
    Ralf:

    Die Art und Weise, die Formulierung, die Worte, ein Wort. Aber wichtig ist, dass wir uns dazu austauschen. Dann gibt es noch BEM-Gespräche, die werden ja gefordert. Auch da noch mal üben, trainieren, gut für …

  112.  
    Jennifer:

    Nimm unsere Hörer mal mit. BEM-Gespräche?

  113.  
    Ralf:

    Ja, betriebliches Eingliederungsmanagement, wie die zum Teil ablaufen. Da will man so, weiß ich nicht, manchmal ist meine Haltung hinter den Gesprächen eben schlecht, dass ich sage, ich will jetzt, dass der so überführt wird oder dass wir dahintergucken. Was mache ich denn, wenn ich jetzt noch ein schlechtes Gefühl habe, dass der wirklich blaugemacht hat?

  114.  
    Jennifer:

    Ja, haben wir ja schon gesagt, thematisieren.

  115.  
    Ralf:

    Total.

  116.  
    Jennifer:

    Halt eben ansprechen. Also auch da offen, ehrlich, direkt sein, zu gucken, also ich finde, wenn man ein offenes Gespräch auf Augenhöhe hat, wo man sich auch mit allen Vorbehalten wertschätzend begegnet, dass man dann ja auch die Chance hat von dem Mitarbeiter was zu hören, was man vielleicht noch gar nicht wusste an der Stelle und dass man doch auch noch mal mit andersumgehen kann.

  117.  
    Ralf:

    Genau.

  118.  
    Jennifer:

    Weil häufig ist es ja auch, wenn wir so zur anderen Seite nochmal hinschauen, warum sind denn Mitarbeiter halt eben krank? Manchmal ist es auch nur subjektiv gefühlt, mangelnde Wertschätzung.

  119.  
    Ralf:

    So ist es.

  120.  
    Jennifer:

    Dass man sich nicht gesehen fühlt, dass man denkt, ach, ich habe doch hier sowieso nur so einen kleinen Job, ich habe doch hier keine Schlüsselposition inne, ist doch egal, ob ich da bin oder nicht da bin. Und wenn ich an den Kern drankomme und merke, hey, ich kann einfach durch Wertschätzung, durch Lob, durch Anerkennung sowas vorbeugen und für Gesundheit halt sorgen, und dann ist es ja an der Stelle auch was Kleines.

  121.  
    Ralf:

    Machen wir auch noch mal eine Folge dazu. Ich möchte noch mal eins sagen. Sehr, sehr hart und konsequent nachgehen, wenn ich das Gefühl habe, dass das nicht in Ordnung ist, weil das ist für mich Diebstahl. Also es muss wie ein Diebstahl behandelt werden. Das sehen manche nicht so. Das ist kein Kavaliersdelikt. Ich nehme mir mal eine zusätzliche Woche, ist für mich Diebstahl. Und das andere ist, dass ich schon glaube, dass es eher ein Symptom ist und dass wir reden müssen, warum bringe ich dich als Chef dazu, dass du dir die Auszeit nehmen musst, um Gehör zu finden oder um manche Dinge klar hinzubekommen. Für mich ganz wichtig.

  122.  
    Jennifer:

    Ja.

  123.  
    Ralf:

    Krasses Thema. Übrigens vor langer, langer Zeit, als ich dachte, gehe mal lieber nochmal zum Arzt, frag mal, ob das etwas mehr sein könnte, und da fragte der, ja, ich könnte ja auch krankschreiben. Also wäre ja gar nicht nötig, also ich wollte nur einfach sicher sein, dass da was nicht ist. Und dann habe ich gesagt, nee, selbst wenn es nötig wäre, ich sage, ich bin selbstständig. Dann sagt der zu mir, ja, das sind ja die Schlimmsten. Ja, super.

  124.  
    Jennifer:

    Ja. Wobei ich finde das auch nochmal einen spannenden Ansatzpunkt, wir könnten ja noch stärker die Ärzte beraten.

  125.  
    Ralf:

    Ah. Ich habe schon Ärzte angeschrieben über einen Kunden, weil ich das so unmöglich fand, so Doc Holiday, sorry. Also du siehst, ich bin da ein bisschen auf Krawall bei dem Thema. Ist ein ganzheitliches Thema, ich habe auch ein super Schaubild gemacht. Vielleicht lade ich das mit hoch, was die Auswirkungen von einer steigenden Krankheitsquote sind. Das Team leidet, es hat Riesenauswirkungen, ist ein Dominoeffekt und es kann die Kultur langfristig beschädigen. Also unterschätzt das Thema nicht. So. Ja, danke, dass du spontan …

  126.  
    Jennifer:

    Ja, halt, halt, halt.

  127.  
    Ralf:

    Ach Gott. Nein.

  128. Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  129.  
    Jennifer:

    So schnell kommst du aus der Nummer nicht raus. Wir haben ja unsere Espressobohnen noch, die Bohnen, die wir heute vergeben. Und ich möchte mit der 1. Bohne starten. Und für mich ist es das Thema Bewusstheit, Bewusstheit überhaupt in Bezug auf das Thema Krankheit.

  130.  
    Ralf:

    Ja. Stimmt, ja.

  131.  
    Jennifer:

    Weil die wenigsten wenig bewusst damit umgehen, die meckern, aber sich dem Thema zu widmen. Du sagtest, merkte man ja auch so ein bisschen an deinem Schnauben, ein hartes Thema, klar, beschäftigt ja ganz viele von unseren Partnern. Auf der anderen Seite finde ich halt ein Thema, was ganz viel Potenzial mit sich bringt.

  132.  
    Ralf:

    Total.

  133.  
    Jennifer:

    Wenn ich das sage ich mal positiv in die Kultur etabliere, dann habe ich wirklich Chancen das Thema noch mal ganz anders anzugehen.

  134.  
    Ralf:

    Ja, richtig. Für mich ist das Thema Kommunikation, Kommunikationsfähigkeit von Führungskräften, wirklich zu trainieren, trainieren. Ich übe mit Führungskräften, übe und trainiere wieder, back to the roots. Wird viel zu wenig gemacht. Also Kommunikation in diesem Punkt, ganzheitlich zu trainieren und haben wir noch eine?

  135.  
    Jennifer:

    Für mich sind das schon die beiden Schlüsselbohnen.

  136.  
    Ralf:

    Für mich auch.

  137.  
    Jennifer:

    Also ich finde wirklich halt, Bewusstheit für das Thema, damit anders umzugehen und halt eben üben, üben, üben, was die Kommunikation angeht.

  138.  
    Ralf:

    Ich wollte gerade sagen, die Zeit ist so rumgegangen, ich könnte noch und mein Espresso ist kalt, das habe ich bei kaum einer Folge. Also ich finde, ein Hammerthema.

  139.  
    Jennifer:

    Ja. Du sagst ja immer, ich trinke meinen Espresso nicht auf. Du kannst ja hier noch kalte Reste schlürfen.

  140.  
    Ralf:

    Ja, danke. Bitte bleib gesund.

  141.  
    Jennifer:

    Du auch.

  142.  
    Ralf:

    Halt, noch nicht abschalten. Ich hab noch was für Sie. Wenn das Thema Krankenquote Sie richtig richtig doll interessiert, dann gibt es jetzt meinen neuen Onlinekurs – genau zu diesem Thema. Von einer hohen Krankenquote, die viel Zeit und Geld kostet – das haben wir alles gehört – die Stimmung verschlechtert, hin Schritt für Schritt zu einer niedrigen Krankenquote, hin zu einer guten, gesunden Stimmung im Team. Wie gehen wir vor? Wir analysieren, wir gehen gleich in die Umsetzung, Lösung, mit Videos, praktischen Tools, Formulierungen, und einem ausführlichen Aktivbuch wo Sie mitarbeiten. Wenn das für Sie spannend ist, machen Sie mit mir jetzt den ersten Schritt zu mehr Gesundheit im Team auf www.begeisterungsland.de/kurs-gesund/. Und: bitte bleiben Sie gesund. Tschüss!

  143.  
    Jennifer:

    Ciao!

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1 Antwort
  1. Großen Dank an Euch, wie Ihr das Thema: “Sie waren schon wieder krank!” angesprochen + ‘behandelt’ habt!

    In meinen 30 Jahren in der Apotheke als Chefvertretung habe ich das immer auch von 2 Seiten gesehen – einmal als auch Angestellte und dann auch als
    ‘Chefin auf Zeit’. Und Vieles von dem, was Ihr BEIDE angesprochen habt. konnte ich so gut nachvollziehen.

    Und mein Thema jetzt in den Apotheken ist genau die GEGENSEITIGE WERTSCHÄTZUNG, die uns nicht nur das Zusammen-Leben und -Arbeiten, sondern auch die Gesamtaußenwirkung auf unsere Kunden erheblich positiv beeinflusst.

    Also, noch mal Danke für diesen Podcast Eure Evelyn

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