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Candidate Journey: So begeistern und binden Sie Bewerber

„Die Stelle ist nun bereits seit Wochen ausgeschrieben und es fehlen weiterhin die passenden Bewerbungen – was machen wir falsch?“ – Vielleicht fehlt eine gut durchdachte und echt begeisternde Candidate Journey (die Reise des Bewerbers).

Üblicherweise wird das Thema der Personalrekrutierung aus Unternehmensperspektive betrachtet, doch wie sieht es aus der Bewerberperspektive aus? Aktuelle Studien berichten bereits von einem Paradigmenwechsel zwischen Unternehmen und Bewerber: Die Bewerber bekommen zunehmend mehr Macht, sich den Arbeitgeber auszusuchen. Warum ist ein Perspektivwechsel zwingend erforderlich, um in Zeiten des War of Talents die passenden Mitarbeitenden zu finden und für die Zukunft gerüstet zu sein?

Kurz zu mir: Als frischgebackener, 23-jähriger BWL-Absolvent mit den Schwerpunkten Personal und Marketing habe ich mich während meiner Bachelorarbeit intensiv dem Thema der Candidate Journey gewidmet. In tiefgründigen Interviews mit Ralf R. Strupat und Jennifer Zacher-Handke konnte ich spüren, dass die Thematik einen großen Stellenwert besitzt. Ich habe auch erkannt, dass das Thema in vielen Unternehmen derzeit noch zu wenig Aufmerksamkeit genießt.

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Herausforderungen bei der Rekrutierung

Personalrekrutierung bedeutet offene Stellen sollen mit Personal besetzt werden, die den fachlichen Anforderungen gerecht werden. Nach Definition des Anforderungsprofils wird eine passende Stellenausschreibung formuliert und über festgelegte Kanäle intern sowie extern kommuniziert. Danach ist Geduld gefragt, bei den einen etwas mehr, bei den anderen weniger. Während bei Unternehmen wie Google letztes Jahr auf 5000 ausgeschriebenen Stellen rund 2.000.000 Bewerbungen eingegangen sind, entwickeln sich für andere Unternehmen zunehmend größere Herausforderungen die offenen Stellen zu besetzen.

Diese Entwicklung ist unter anderem bedingt durch den demographischen Wandel, dem verschärften War of Talents und der Digitalisierung. Unternehmen geraten in Zugzwang und versuchen zwanghaft durch Employer-Branding und Personalmarketingmaßnahmen die eigene Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Damit diese Maßnahmen letztendlich erfolgreich sind, gilt es diese so nah wie möglich an den Bedürfnissen und Werten der Zielgruppe an Bewerbern auszurichten.  Außerdem ist es wichtig, die bereits gelebte Unternehmenskultur samt der Werte bei der Kommunikation nicht zu vernachlässigen.

Ich möchte durch meinen Beitrag nicht den gesamten Prozess der Personalrekrutierung und des Personalmarketings durchleuchten, hinterfragen oder Optimierungspunkte aufzählen. Viel mehr möchte ich Ihnen als Führungskraft wertvolle Handlungsempfehlungen und Denkanstöße mit auf den Weg geben, die Ihnen bei der Bewältigung der Personalrekrutierungs-Herausforderungen helfen und leicht umzusetzen sind.

Jeder Bewerber ist ein Kunde

Haben Sie schon mal überlegt Ihren Rekrutierungsprozess zu einer Art Verkaufsprozess für ein bestimmtes Produkt anzusehen: Den Job? Bewerber sollten bei Ihnen in der Organisation grundsätzlich konsequent als Kunden angesehen und angesprochen werden. Die Customer Journey, die Ihnen vielleicht aus Marketing oder Vertrieb ein Begriff ist, wird durch die Reise des Bewerbers, der Candidate Journey ersetzt. Sie setzt sich aus der Summe an unzähligen Candidate Touchpoints zusammen, die einer Ihrer Bewerber während des Bewerbungsprozesses zu Ihnen als Arbeitgeber sammelt – beginnend mit dem ersten Kontakt und abschließend mit dem Ende der Einarbeitungsphase.

Beispiel-Skizzierung einer Candidate Journey

Wenn Sie die Candidate Journey bei Ihnen im Unternehmen skizzieren möchten, nutzen Sie unsere Vorlage. Hier können Sie das PDF downloaden.

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Das “Bewerbererleben”, die Candidate Experience, ist an jedem einzelnen Candidate Touchpoint unterschiedlich und ist von wichtiger Bedeutung, ob sich der Bewerber für oder gegen Sie entscheidet. Es gilt diese Touchpoints begeisternder denn je zu gestalten – Emotionen spielen hier eine wichtige Rolle. Menschenerlebnisse können für entscheidende Überraschungsmomente sorgen. Sie sind gefragt, bei Ihren Mitarbeitenden das Bewusstsein für die Thematik zu wecken und sie zu einem Perspektivwechsel zu motivieren.

Vielleicht fragen Sie sich worauf es ankommt und was Ihre Bewerber als besonders wichtig erachten. Die Candidate Experience Studie 2014 der Unternehmensberatung metaHR hat gezeigt, durch welche Faktoren sich eine positive sowie eine negative Candidate Experience entlang der Candidate Journey der Befragten auszeichnen.

Faktoren: Positive Candidate Experience
  • Persönliche Ansprechpartner
  • Klarheit bei Auflistung von Job-Anforderungen und Transparenz im Bewerbungsprozess
  • Effizienter, intuitiver und mobiloptimierter Bewerbungsprozess von einer Dauer unter sechs Wochen
  • Feedback-Möglichkeit
Faktoren: Negative Candidate Experience
  • Keine Auffindbarkeit im Internet
  • Fehlende Wertschätzung und Interesse
  • Komplizierter Bewerbungsprozess
  • Unpersönliche, mit Standard-Texten gefüllte Absagen

Meine Erfahrung mit der Candidate Journey

Auf der Suche nach einem Auslandspraktikum bin ich bei einem großen deutschen Luftverkehrskonzern fündig geworden. Die ausgeschriebene Stelle war auf dem unternehmenseigenen Karriereportal nach Auswahl einzelner Filter schnell auffindbar. Auch das Anlegen des Bewerberaccounts überzeugte durch Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit, unter anderem mit der Möglichkeit sich mit dem LinkedIn oder Xing Profil anmelden zu können.

Nach Ausfüllen des Bewerbungsformulars konnten zusätzlich noch Anhänge mit Bewerbungsunterlangen hochgeladen werden. In nur 15 Minuten habe ich die Bewerbung abgeschickt. Ich erhielt prompt eine Eingangsbestätigung. Darin enthalten die Bitte, innerhalb von sieben Tagen drei Online-Tests abzulegen, in denen Fähigkeiten zu sprachliches Denken, analytisches Denken und Englisch abgetestet werden. Nach Ablegen der Tests, die insgesamt in etwa 25 Minuten in Anspruch genommen haben, hatte ich die Möglichkeit mein Testergebnis mit dem durchschnittlichen Ergebnis anderer Bewerber zu vergleichen. Diese Durchführung hat mich echt begeistert: Es wird zwar einiges vom Bewerber gefordert, dennoch erhöht es aus diagnostischer Perspektive die Chance, im Vorfeld die Auswahl geeigneter Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle einzugrenzen.

Positive Emotionen im Bewerbungsprozess

Was dann folgte waren zwei Facetime-Vorstellungsgespräche, in denen zunächst die Persönlichkeit im Vordergrund stand, ehe es dann zu den fachlichen Kompetenzen überging. Die Gespräche waren durchweg geprägt durch eine außerordentliche Wertschätzung mir gegenüber, eine hohe Transparenz und eine zeitnahe Korrespondenz über Mail und Telefon. Es wirkte trotz vieler digitaler Kontaktpunkte alles sehr menschlich, persönlich und emotional, was ein sehr positives Gefühl in mir hervorgerufen hat.

Abschließend kann ich sagen: Meine Candidate Experience war von Bewerbung bis Jobangebot durchweg positiv und beeinflusst maßgeblich meine Einstellung zum Image des Unternehmens. Diese beschriebene Situation ist natürlich das best-case Szenario und laut aktueller Studien nicht die Regel. Wie das worst-case Szenario aussieht können Sie sich nun eventuell vorstellen. Hoffentlich konnte ich anhand des Beispiels meiner Candidate Journey verdeutlichen – begeisternde Überraschungsmomente machen den Unterschied.

Handlungsmöglichkeiten als Führungskraft

  • Candidate Touchpoints identifizieren, nach Relevanz gewichten und eine Candidate Journey skizzieren. Nutzen Sie gerne unsere kostenlose Vorlage für die Skizzierung Ihrer Candidate Experience. Hier können Sie die Vorlage downloaden.
  • Motivieren Sie Mitarbeitende zu einem Perspektivwechsel
    Weisen Sie in Ihrem Team konkret die Aufgabe an, den eigenen Bewerbungsprozess aus Sicht eines Bewerbers intensiv zu reflektieren und zu bewerten. Anschließend empfiehlt sich eine kritische Auseinandersetzung während eines Teammeetings zur Besprechung des weiteren Ablaufs.
  • Stärken Sie die Selbst- und Fremdwahrnehmung bei allen Beteiligten
    Versuchen Sie konkret Ihren Mitarbeitenden Ihr Verhalten in Rahmen von Persönlichkeitstrainings zu spiegeln. Dies kann durch Sie persönlich erfolgen, oder noch besser: Feedback einholen durch externe Menschen, wie Bewerber, Kunden oder neutrale Berater und Coaches.
  • Trainieren Sie Candidate Touchpoints innerhalb der Candidate Journey wie Verkaufsprozesse regelmäßig (bspw. Korrespondenz mit Bewerbern, Vorstellungsgespräch etc.)

Fünf Schritte zur Entwicklung einer Candidate Journey

  1. Sensibilisieren
    Erläutern Sie gegenüber den Mitarbeitenden die Notwendigkeit und Bedeutung eines Candidate Experience Managements. Verankern Sie ein einheitliches Bewusstsein einer begeisternden Candidate Experience in der Unternehmenskultur.
  2. Ausarbeitung und Selbstreflexion der unternehmenseigenen Candidate Journey
    Berücksichtigen Sie hier sämtliche Candidate Touchpoints in den einzelnen Phasen der Candidate Journey.
  3. Offener Dialog mit aktiven und potenziellen Bewerbern
    Verbesserungsvorschläge, Ideen, Wünsche notieren und Erwartungshaltungen abgleichen.
  4. Zusammenfassung und Ableitung von operativen Maßnahmen
    Erkenntnisse aus der Selbstreflexion und dem Austausch der Bewerber zusammenfassen und operative Maßnahmen ableiten.
  5. Regelmäßige Kontrolle und Reflexion
    Überprüfen Sie die gesamte Candidate Journey im Hinblick auf die Ausprägung der Candidate Experience und dem ’Fit’ zur Arbeitgerbermarke.

Sie werden sicherlich merken, wie wichtig ein Perspektivwechsel ist, um eine Candidate Journey nachhaltig begeisternder zu gestalten und die Bedürfnisse Ihrer Bewerber zu befriedigen. Bringen Sie die Thematik in Ihr Team, seien Sie Umsetzungsriese und erarbeiten Sie gemeinsam eine begeisternde Candidate Journey.


Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, freue ich mich auf Ihren Kontakt. Gerne teile ich mit Ihnen meine Erfahrungen und ausführliche Ergebnisse aktueller Studien zu dem Thema.
Hier können Sie direkt mit mir Kontakt aufnehmen.


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