Candidate Journey: Reise des Bewerbers in 6 Phasen (+Vorlage)

„Die Stelle ist nun bereits seit Wochen ausgeschrieben und es fehlen weiterhin die passenden Bewerbungen – was machen wir falsch?“

Vielleicht fehlt eine gut durchdachte und begeisternde Candidate Journey (Reise des Bewerbers).

Normalerweise gucken Unternehmen auf den Rekrutierungsprozess aus ihrer eigenen Perspektive.

Doch wie sieht es aus der Bewerberperspektive aus?

Studien zeugen von einem Paradigmenwechsel zwischen Unternehmen und Bewerbern.

Die These:

Bewerber haben zunehmend mehr Macht, sich den Arbeitgeber auszusuchen.

Wie also überzeugt man als Unternehmen die richtigen Bewerber?

Nach meinem Studium mit den Schwerpunkten Personal und Marketing habe ich mich intensiv den Themen Candidate Journey und Candidate Experience auseinandergesetzt.

Dabei wurde mir klar, dass diesen Themen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Mit den Tipps aus diesem Beitrag kannst du deine eigene begeisternde Candidate Journey erstellen.

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Typische Herausforderungen bei der Rekrutierung

Bei Google sind letztes Jahr auf 5000 ausgeschriebenen Stellen rund 2.000.000 (!) Bewerbungen eingegangen. Davon können die meisten Firmen nur träumen.

Die Realität ist, dass viele Betriebe immer größere Herausforderungen haben, offene Stellen zu besetzen.

Bedingt ist das unter anderem durch den demographischen Wandel, den verschärften War of Talents und der Digitalisierung.

Deshalb versuchen manche Unternehmen zwanghaft, durch Employer-Branding und Personalmarketingmaßnahmen ihre Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen.

Doch damit diese Maßnahmen erfolgreich sind, müssen sie nah an den Bedürfnissen und Werten der Bewerber ausgerichtet sein.

Außerdem ist es wichtig, die bereits gelebte Unternehmenskultur samt der Werte bei der Kommunikation nicht zu vernachlässigen.

Das alles bekommt man unter einen Hut, indem man eine Candidate Journey Map erstellt.

Candidate Experience: Jeder Bewerber ist ein Kunde

Hast du schon mal überlegt deinen Rekrutierungsprozess als eine Art Verkaufsprozess für ein bestimmtes Produkt anzusehen: Den Job?

Mit dieser Denke werden Bewerber grundsätzlich und konsequent als Kunden angesehen und angesprochen.

Das ist die Candidate Experience – die (positive, begeisternde) Erfahrung, die ein Bewerber in deinem Unternehmen macht.

Und die Customer Journey, die dir vielleicht aus Marketing oder Vertrieb ein Begriff ist, wird durch die Reise des Bewerbers, der Candidate Journey ersetzt.

Sie setzt sich aus der Summe an unzähligen Touchpoints zusammen, die eure Bewerber während des Bewerbungsprozesses durchläuft.

Die Candidate Journey beginnt mit dem ersten Kontakt (z.B. die Stellenausschreibung) und endet erst nachdem das Onboardings abgeschlossen ist.

Für die grafische Darstellung dieser Reise erstellt man eine Candidate Journey Map.

Mit der Methode des Candidate Journey Mappings können die einzelnen Touchpoints während der Candidate Journey auf einer Karte anschaulich skizziert und nach Relevanz gewichtet werden.

Cadidate Journey Mapping (ein Beispiel)

Wenn du die Candidate Journey bei euch im Unternehmen skizzieren möchtest, nutze unsere Vorlage. Hier kannst du das PDF downloaden.

grafik-candidate-journey

Das “Bewerbererleben” bzw. die Candidate Experience an jedem einzelnen Touchpoint (wir nennen diese auch “Momente der Wahrheit”) ist von hoher Bedeutung, ob sich der Bewerber für oder gegen dich entscheidet.

Deshalb müssen alle Touchpoints begeisternder denn je gestaltet werden. Und Emotionen spielen hier eine wichtige Rolle.

Wie gehst du dabei vor?

Als erstes brauchen deine Mitarbeiter ein Bewusstsein für die Thematik. Jeder von uns war auch selbst mal Bewerber und die meisten können sich deshalb gut einfühlen.

Dann solltet ihr eure Touchpoints gemeinsam analysieren, skizzieren und gezielt verbessern.

Dazu gleich mehr.

Eine Studie zum Thema Candidate Experience von metaHR hat untersucht, durch welche Faktoren sich positive sowie negative Erfahrungen entlang der Candidate Journey auszeichnen:

Faktoren für eine positive Candidate Experience

  • Ein persönliche Ansprechpartner.
  • Klarheit bei Auflistung von Job-Anforderungen und Transparenz im Bewerbungsprozess.
  • Effizienter, intuitiver und mobiloptimierter Bewerbungsprozess von einer Dauer unter sechs Wochen.
  • Die Möglichkeit, Feedback zu geben.

Faktoren für eine negative Candidate Experience

  • Keine Auffindbarkeit im Internet.
  • Fehlende Wertschätzung und wenig Interesse am Bewerber.
  • Komplizierter Bewerbungsprozess.
  • Unpersönliche, mit Standard-Texten gefüllte Absagen.

Meine eigene positive Candidate Experience

Auf der Suche nach einem Auslandspraktikum bin ich bei einem großen deutschen Luftverkehrskonzern fündig geworden.

Meine positive Erfahrung mit dem Bewerbungsprozess:

  • Die ausgeschriebene Stelle war auf dem unternehmenseigenen Karriereportal nach Auswahl einzelner Filter schnell auffindbar.
  • Das Anlegen des Bewerberaccounts überzeugte durch Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit, unter anderem mit der Möglichkeit sich mit dem LinkedIn oder Xing Profil anmelden zu können.
  • Nach Ausfüllen des Bewerbungsformulars konnten zusätzlich noch Anhänge mit Bewerbungsunterlangen hochgeladen werden.

Das Resultat: In nur 15 Minuten habe ich die Bewerbung abgeschickt.

Sofort erhielt ich eine Eingangsbestätigung.

Darin enthalten die Bitte, innerhalb von sieben Tagen drei Online-Tests abzulegen, in denen Fähigkeiten zu sprachliches Denken, analytisches Denken und Englisch abgetestet werden.

Die Tests haben circa 25 Minuten in Anspruch genommen. Daraufhin konnte hatte ich mein Testergebnis mit dem durchschnittlichen Ergebnis anderer Bewerber vergleichen.

Dieser Teil der Candidate Journey hat mich aufgrund der Schnelligkeit, Nutzerfreundlichkeit und Transparenz begeistert.

Positive Emotionen im Bewerbungsprozess

Dann hatte ich noch zwei digitale Vorstellungsgespräche via Zoom.

Die Gespräche waren geprägt von einer außerordentlichen Wertschätzung mir gegenüber, einer hohen Transparenz und einer zeitnahen Korrespondenz über Mail und Telefon.

Es wirkte trotz vieler digitaler Kontaktpunkte alles sehr menschlich, persönlich und emotional, was ein sehr positives Gefühl in mir hervorgerufen hat.

Alles in allem war meine Candidate Experience von Bewerbung bis Jobangebot durchweg positiv.

Leider ist das nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.

In vielen Unternehmen führen schlecht durchdachte Candidate Journeys zu Frust, Imageschäden und abspringenden Bewerbern.

Deshalb hier noch meine praktischen Tipps für die Erstellung einer Candidate Journey (Map):

So kannst du die Candidate Experience verbessern

  • Die verschiedenen Touchpoints identifizieren, nach Relevanz gewichten und eine Candidate Journey Map erstellen. Nutze gerne unsere kostenlose Vorlage für die Skizzierung deiner Candidate Journey. Hier kannst du die Vorlage downloaden.
  • Mitarbeiter zu einem Perspektivwechsel motivieren.
    Bitte deine Mitarbeiter, den eigenen Bewerbungsprozess intensiv zu reflektieren. Anschließend empfiehlt sich eine kritische Auseinandersetzung während eines Teammeetings zur Besprechung des weiteren Ablaufs.
  • Stärke die Selbst- und Fremdwahrnehmung bei allen Beteiligten.
    Versuche konkret, deinen Mitarbeitenden ihr Verhalten in Rahmen von Persönlichkeitstrainings zu spiegeln. Dies kann durch dich persönlich erfolgen, oder noch besser: Feedback einholen durch externe Menschen, wie Bewerber, Kunden oder neutrale Berater und Coaches.
  • Trainiere Touchpoints innerhalb der Candidate Journey, ähnlich zu Verkaufsprozessen, regelmäßig.
    (bspw. Korrespondenz mit Bewerbern, Vorstellungsgespräch etc.)

Und in fünf Schritten erstellt ihr eure eigene Candidate Journey:

Fünf Schritte zur Entwicklung einer Candidate Journey

  1. Sensibilisieren.
    Verankere ein einheitliches Bewusstsein einer begeisternden Candidate Experience in der Unternehmenskultur.
  2. Ausarbeitung und Selbstreflexion der unternehmenseigenen Candidate Journey.
    Berücksichtige hier sämtliche Touchpoints (Momente der Wahrheit) in den einzelnen Phasen der Candidate Journey.
  3. Offener Dialog mit aktiven und potenziellen Bewerbern.
    Verbesserungsvorschläge, Ideen, Wünsche notieren und Erwartungshaltungen abgleichen.
  4. Zusammenfassung und Ableitung von operativen Maßnahmen.
    Erkenntnisse aus der Selbstreflexion und dem Austausch der Bewerber zusammenfassen und operative Maßnahmen ableiten.
  5. Regelmäßige Kontrolle und Reflexion
    Überprüfe die gesamte Candidate Journey im Hinblick auf die Ausprägung der Candidate Experience und dem ’Fit’ zur Arbeitgerbermarke.

Du wirst sicherlich merken, wie wichtig ein Perspektivwechsel ist, um eine Candidate Journey nachhaltig begeisternder zu gestalten und die Bedürfnisse deiner Bewerber zu befriedigen.

Bring die Thematik in dein Team, sei Umsetzungsriese und erarbeite gemeinsam eine begeisternde Candidate Journey.


Sollte ich dein Interesse geweckt haben, freue ich mich auf deinen Kontakt. Gerne teile ich mit dir meine Erfahrungen und ausführliche Ergebnisse aktueller Studien zu dem Thema.
Hier kannst du direkt Kontakt mit mir aufnehmen.


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