#007 Plötzlich Chef: Du oder Sie im Job?

#007 Plötzlich Chef: Du oder Sie im Job?
Brennende Themen im Führungsalltag...

 
 
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Bei vielen Start-ups ist es absoluter Standard, dass man sich duzt. Und auch in vielen Traditions-Unternehmen gibt es eine neue Du’z-Kultur. Vom Vorstand bis zum Azubi duzt man sich jetzt. Viele Verantwortliche in Unternehmen fragen sich, ob sie von einer Du- zu einer Sie-Kultur wandeln sollten, um die Mitarbeitermotivation und das WIR-Gefühl zu steigern.

Wir haben in der Praxis schon viele peinliche Situationen in alle Richtungen erlebt: gestern noch geduzt und dann wird man Führungskraft…und dann soll alles anders sein. Deshalb ist das Thema für uns eine eigene Sendung wert. Hören Sie rein.

Bonus-Audio zum Thema Duz-Kultur

Als Bonus zu dieser Podcast-Folge haben wir ein spannendes Gespräch mit sechs Mitarbeitern von Edeka Wehrmann für Sie aufgenommen. Bei Edeka Wehrmann wird die DUz-Kultur aktiv gelebt. Coach Ralf R. Strupat spricht mit den Edekanern über ihre Erfahrungen mit dem Du im beruflichen Kontext.


Das komplette Transkript
> Hier als PDF-Datei zum Download <

Auf einmal Führungskraft
Beweggründe für das „Du“ oder „Sie“
Klarheit schaffen
Auf schwierige Situationen vorbereitet sein
Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  1.  

    Ralf:

    Mein Thema, was ich heute mitgebracht habe für uns beide, ist das Thema Du oder Sie. Ist vielleicht überraschend. Ich hatte es überhaupt nicht auf dem Programm, aber es hat mich gestern beschäftigt, weil ich nämlich im Coaching gefragt wurde, warum sieze sich im Übrigen noch den Chef? Das ist ein Thema, das ist mir nämlich vor kurzem gerade wiederbegegnet. Da gibt es immer wieder Situationen, du warst gestern Kollege, wirst morgen Chef, und dann?

  2. Auf einmal Führungskraft

  3.  

    Jennifer:

    Ja. Denke ich auch, ist eine der größten Herausforderungen. Dann stehst du da auf einmal, jetzt bist du halt eben frisch Führungskraft, sowieso viele neue Verantwortungsbereiche, und der Kollege, den du jahrelang geduzt hast, ja, was machst du da in der Situation?

  4.  

    Ralf:

    Sie, finde ich lächerlich. Also ich habe das wirklich gehabt, da war ein Unternehmersohn, der hat dann, nachdem er Führungsverantwortung bekommen hat, die Kollegen gebeten, ab morgen siezt ihr mich. Finde ich, kein gangbarer Weg, also passt nicht.

  5.  

    Jennifer:

    Wichtig finde ich, dass man überhaupt drauf vorbereitet ist, auf die Situation, wenn ich jetzt eine neue Rolle habe, dass ich mir persönlich dazu Gedanken mache, wie möchte ich damit umgehen und dass ich das mit den Partnern kläre, die nahe an mir dran sind. Nicht, dass sie auf einmal überrascht sind und sagen, hä, auf einmal kommt Simon und sagt, bitte jetzt, Sie.

  6.  

    Ralf:

    Geht gar nicht. Also, was ich mir wünsche, was ich mir wirklich wünsche, ist, also wenn mich jemand fragen würde, würde ich immer raten, bleib da, wo du warst. Und wenn es dann anders ist, also vom Du zum Sie, dann muss man auf jeden Fall die Menschen mit auf die Reise nehmen. Da muss ich auch den Mut haben eine Ansprache zu machen vor meinem Team und erklären, warum. So heimlich geht gar nicht.

  7.  

    Jennifer:

    Welche Erfahrungen sind es denn, die du so machst, warum auf einmal jemand sagt, ich möchte doch irgendwie lieber das Sie. Also was liest du so zwischen den Zeilen?

  8. Beweggründe für das „Du“ oder „Sie“

  9.  

    Ralf:

    Weiß ich nicht, es geht glaube ich um Distanz, Respekt. Ich glaube, dass ich da eine höhere Autorität habe, vielleicht kann ich dann eher kritisieren, die Nähe ist hinderlich für eine Führungsaufgabe. Du weißt, das ist ja Quatsch, aber …

  10.  

    Jennifer:

    Sehe ich auch ganz, ganz anders. Also da sage ich, da kann es ja beim Du bleiben, authentisch und echt sein, wichtig finde ich, sind ganz andere Parameter. Also, wenn ich dann in die Führungsrolle reinkomme, dass ich mein Team da gut mitnehme und gut abholen und nicht auf einmal sage, jetzt bin ich die Führungskraft, jetzt habe ich eine andere Rolle inne und wir gehen auf einmal anders miteinander um.

  11.  

    Ralf:

    Gut, also hören wir mal anderes Beispiel. Ich werde immer gefragt, bringt eine Duz-Kultur im gesamten Unternehmen was, also vom Vorstandsvorsitzenden bis zum Azubi? Also bringt uns das eine bessere Stimmung, eine höre Mitarbeitermotivation? In meinem Kundenkreis gibt es einige Kunden mit einer Du-Kultur und die Frage, sollen wir uns jetzt auch duzen, glaube ich, hängt wirklich davon ab, wie ist vorher die Kultur? Also so ein Du heilt nichts, oder?

  12.  

    Jennifer:

    Ja, wichtig finde ich, dass es einheitlich ist, also dass dann eben nicht der Break ist. Es kommt ein neues Teammitglied hinzu und vielleicht aus Respekt wird dann halt eine Führungskraft halt eben gesiezt und die Führungskraft hat das gar nicht im Blick zu sagen, hey, auch ich bin für dich halt eben Henry.

  13. Klarheit schaffen

  14.  

    Ralf:

    Also eine Art Klarheit, so ein Kodex, so ein Firmenkodex würde helfen.

  15.  

    Jennifer:

    Ja, ein Stück weit halt eben, klar, vielleicht ein stückweit ungeschriebene Spielregeln, aber dass es halt eben ein einheitliches Handling ist.

  16.  

    Ralf:

    Was mir passiert ist, zwei Dinge. Ich bin hier auf unserem Kundenfest von jemand gefragt worden in der guten Stimmung, wollen wir uns duzen, da habe ich gesagt, boah, ich wollte nicht Nein sagen, habe gesagt, mit einem Feier-Du wäre ich einverstanden, also für, sagt er, was ist das denn? Ich sage für heute, ja, ab morgen besser Sie. Und mit einem Team bin ich in so einen Kletterpark gegangen, wo der Trainer sagte, hier ist Wald-Du und da galt das auch für mich. Und trotzdem habe ich der Mannschaft dann gesagt, ja, für heute Wald-Du und ab morgen geht’s dann mit Sie weiter. Du hast gleich 3, die das ausnutzen. Im Wald übrigens, da hieß es dann nicht mal Ralf, sondern Struppi. Also ist schon provo/ … ja, du lachst, ja, hier Provokation und am nächsten Tag hat es der nächste trotzdem versucht. Und dann musst du gefestigt sein und dann musst du … jetzt kommt der Moment, wo du handeln musst, weißt du, was ich …?

  17.  

    Jennifer:

    Mhm (bejahend).

  18.  

    Ralf:

    Da musst du sagen, nee, komm, weil sonst ist das durch das Thema. Und ich glaube, die meisten sind da nicht vorbereitet. Also, wenn wir es schon nicht sind als Profis, ja.

  19.  

    Jennifer:

    Das heißt aber, dann ist es halt eben, vorbereitet zu sein, sich Gedanken zu machen, eben nicht unreflektiert reinschliddern, sondern es im Unternehmenskontext klar zu haben für sich, auch wenn es kleine Teams sind, konkret Klarheit.

  20.  

    Ralf:

    Ja, total. Ich glaube, das wird eben nicht besprochen. Klingt, ist ein banales Thema, oder?

  21.  

    Jennifer:

    Mhm (bejahend).

  22.  

    Ralf:

    Es klingt total banal und wenn ich es gestern nicht live erlebt hätte, dann hätte ich heute das Thema auch gar nicht mitgebracht. Aber es war wirklich ein Thema, wo ich wieder drüber nachgedacht habe, bist du klar? Und ich bin auch schon aufgeweichter, also ich habe Kunden, da läuft’s sehr gut und ich habe Kunden, vielleicht kennst du das auch, dass man in der dritten Person dann spricht. Oder was ich noch schaffe, ich nutze den Vornamen und sage aber Sie.

  23.  

    Jennifer:

    Bleibt’s beim Sie.

  24.  

    Ralf:

    Ja genau. Schwierig wird’s, wenn mich dann einer duzt.

  25.  

    Jennifer:

    Aber warum willst du denn nicht, dass dich jemand duzt?

  26.  

    Ralf:

    Weiß ich nicht. Ich will eine einheitliche Linie. Ich finde es sonst schwierig den Paul duzt du und den Alexander siezt du. Beim Kunden wird es auch schwierig, oder?

  27.  

    Jennifer:

    Ja, ich finde nur, auch da wieder so eine gewisses, ja, auf Augenhöhe unterwegs sein. Also ich habe ja schon Partner, die mich dann auch halt eben mit Jennifer ansprechen und ja, dass wir dann trotzdem halt eben uns auf einer geschäftlichen Ebene ja halt bewegen. Für mich ist es keine Herausforderung dann zu sagen halt irgendwie, wenn ich mit Jennifer und nicht Frau Zacher-Handke angesprochen werde. Wir haben jetzt viel über das Du und Sie gesprochen, aber es gibt noch ganz andere Herausforderungen, die eine frisch gewordene Führungskraft dann hat.

  28.  

    Ralf:

    Und welche?

  29. Auf schwierige Situationen vorbereitet sein

  30.  

    Jennifer:

    Was ist, wenn ein Kollege nicht richtig mitmacht? Also du warst früher Kollege, Kollege halt eben so und jetzt heißt es auf einmal, okay, der ist jetzt mein Chef so. Und dann sagt der auf einmal, hey, mache das doch mal bitte fertig, und dann sage ich, ey, mache doch selber. Und dann?

  31.  

    Ralf:

    Ja, dann hat er kurze Hosen. Nee, dann ist schon wichtig, wie reagiere ich dann, dass ich die Dinge mal kläre. Ich bin nicht vorbereitet. Die wenigsten Führungskräfte oder die in diese Rolle kommen, sind vorbereitet. Das sind dann Dinge, die musst du, das sagt dir keiner. Was passiert, wenn ein Kollege sich respektlos verhält, wenn er dann zu spät kommt, das ist ja schwierig dann, mal einen guten Kollegen jetzt anzusprechen, du kommst zu spät, all die Dinge, die mich stören anzusprechen, habe ich in der Regel nicht gelernt.

  32.  

    Jennifer:

    Wie sieht denn konkret halt eben Empfehlung aus? Wenn du sagst, okay, ab 1.5. bist du Führungskraft halt, wie bereitest du dich darauf vor?

  33.  

    Ralf:

    Ja. Unabhängig von einem guten Coach, dass ich mir einfach mal Gedanken mache, welche … weißt du, der Fehler ist, ich mache mir keine Gedanken, was sind die schwierigen Situationen. Ich mache mir Gedanken, wie werde ich sein, was mache ich, was sind meine Ziele, aber ich mache mir keine Gedanken, welche schwierigen Situationen kommen. Das haben wir ja bei allen Dingen, die geplant werden, auch bei Kundenevents, es werden nicht die Störungen geplant. Und mein Tipp ist, geh mal die Situation durch und sage, was passiert, wenn es schiefgeht und wie könnte ich dann …?

  34.  

    Jennifer:

    Ja, das ist aber jetzt so eine Fokussierung eher aufs Negative. Also wir sind ja schon immer optimistisch vorausschauend und jetzt heißt es auf einmal, durchdenke mal die ganzen Sachen.

  35.  

    Ralf:

    Was würdest denn du in dieser Situation machen?

  36.  

    Jennifer:

    Na, ich glaube, die meisten machen in der Situation viel zu wenig. Wichtig ist, finde ich, ein Chef, der dann einfach sagt, hey komm, lass uns zusammensetzen, ab nächsten Monat hast du die Funktion halt eben inne, wie wollen wir damit umgehen, wie wollen wir das halt eben thematisieren? Oder auch als Chef halt eben klar zu haben, hey, wir geben es rechtzeitig bekannt. Also wir machen einen Aushang halt eben fertig, kommunizieren das über einen Letter, wenn es einen gibt, und geben rechtzeitig und frühzeitig vor allem Informationen und nicht am 31., ab 1. ist jetzt dein Kollege der Vorgesetzte.

  37.  

    Ralf:

    Ich habe das Wort Klarheit, wie immer. Das ist ja eines unserer Lieblingswörter Klarheit, Klarheit. Klar kommunizieren, klar wissen, was los ist, nicht auf den letzten Drücker.

  38.  

    Jennifer:

    Aber das heißt, für sich intern ja auch erstmal überhaupt klar zu haben, wie gehen wir damit um. Das ist ja das, was den meisten schon mal fehlt an der Stelle, einfach zu sagen, okay, da steht jetzt das und das an, das brauchen wir für funktionierende Rahmenbedingungen, aber gar nicht, was bringt das mit sich an der Stelle.

  39.  

    Ralf:

    Okay. Jetzt haben wir doch ein bisschen viel geschnackt, wollten wir nicht. Lass uns doch mal die Dinge zum Punkt bringen, zur Bohne.

  40.  

    Jennifer:

    Kommen wir zur Kaffeebohne.

  41.  

    Ralf:

    Kommen wir zur Kaffeebohne.

  42. Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  43.  

    Jennifer:

    Zur Espressobohne, zu unserer Espressobohne. Ja, für mich sind die 3 Espressobohnen heute. Es ist gar nicht entscheidend, ob du Du oder Sie sagst, sondern dass du es klar hast im Unternehmen, wie möchtest du halt miteinander umgehen und wie kommunizierst du, sprichst du an. Dass es wichtig ist, dass Führungskräfte gut vorbereitet werden.

  44.  

    Ralf:

    Also für mich wirklich, Jenny, gehört auch dazu, auch wenn du sagst, positiv bleiben, die Störung vordenken. Ist so eine Bohne, die packe ich dir auf deinen Teller noch dazu.

  45.  

    Jennifer:

    Und bleibt deine Extrabohne.

  46.  

    Ralf:

    Gut. Übrigens meinen Espresso habe ich getrunken, deinen so gut wie gar nicht, also du hast deinen gar nicht getrunken. Nur mal so nebenbei. Ja, Jenny, danke dir. Irgendwann muss man auch mal Tschüss sagen. Ich habe jetzt einen Termin.

  47.  

    Jennifer:

    Und ich schlürfe meine Espresso.

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