#005 „Gelber Schein“ – Umgang mit einem hohen Krankenstand

#005 „Gelber Schein“ – Umgang mit einem hohen Krankenstand
Brennende Themen im Führungsalltag...

 
 
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Immer häufiger sind Führungskräfte durch sich häufende Krankmeldungen im Team psychisch belastet. In dieser Folge fokussieren wir folgende Fragen: Warum meldet sich jemand krank? Welche Botschaft steckt dahinter? Sind Führungskräfte fitter?

Gemeinsam denken wir mit Ihnen vor – sprechen über Prophylaxe, Plan V und mentale Fitness!

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Psychische Belastung durch hohen Krankenstand Krankmeldungen von Führungskräften und Mitarbeitern im Vergleich Mögliche Gründe für einen hohen Krankenstand Umgang mit einem hohen Krankenstand  Konkrete Maßnahmen bei einem zu hohen Krankenstand Die Bedeutung von mentaler Fitness Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  1.  

    Ralf:

    Ich muss mal was zeigen. Ziehe ich mal gerade aus der Tasche.

  2.  

    Jennifer:

    Du weißt, bei unseren Podcast-Aufnahmen Handyverbot.

  3.  

    Ralf:

    Oh, ja, ich wollte mal was vorlesen, dann lege ich es weg.

  4.  

    Jennifer:

    Okay.

  5. Psychische Belastung durch hohen Krankenstand

  6.  

    Ralf:

    Ruft schon keiner an jetzt. Ich habe eine Nachricht bekommen. Lieber Herr Strupat, für unser kommendes Training haben wir eine uns sehr belastende Frage besonders bei den Führungskräften. Wie können wir mit der psychischen Belastung wegen der immer wieder vielen Krankmeldungen besser und leichter umgehen? Wir freuen uns auf die Rückmeldung und möchten uns beim nächsten Training weiter darüber austauschen. Liebe Grüße und so weiter. Hast du richtig zugehört?

  7.  

    Jennifer:

    Ja, ja.

  8.  

    Ralf:

    Krass!

  9.  

    Jennifer:

    Da habe ich direkt noch einen Punkt, der mir auffällt, wo ich sage, spannend, dass es aus der Führungsrunde kommt.

  10.  

    Ralf:

    Genau.

  11.  

    Jennifer:

    Also ich denke, wir beide wären davon ausgegangen halt irgendwie, dass es die Mitarbeiter belastet …

  12.  

    Ralf:

    Richtig.

  13.  

    Jennifer:

    … und nicht halt irgendwie die Führungsrunde.

  14.  

    Ralf:

    Ich war total erstaunt, ich habe das dreimal lesen müssen. Die Chefs sind belastet, weil da wieder einer anruft und sagt, du, ich bin krank, ich kann nicht zur Arbeit kommen, und das macht die schon psychisch fertig. Da fiel mir ein, dass ich dann schon mal ein Statement zu jemand hatte, der sagte, weißt du was, wenn ich morgens aufstehe, gucke ich schon aufs Handy, ah, was ist denn heute schon wieder? Nicht, bitte nicht. Ganz neue Dimension, oder?

  15.  

    Jennifer:

    Mhm (bejahend). Ja. Also es kommt ja auch darauf an, was sage ich mal dort gelebte Kultur im Unternehmen ist. Du sagst halt eben so, zack, Handy zücken, bitte packe deins jetzt auch wieder weg. Dann ist es das Handy zücken morgens schon vor Arbeit, Start, draufgucken und erstmal Schreckensnachricht. Mittlerweile ist es ja fast so ein bisschen wie bei Nachrichten. Du sagst ja immer, diejenigen, die mit Nachrichten aufstehen, also Wecker klingeln und Nachrichten, die sind, wie sagst du so schön?

  16.  

    Ralf:

    Ja, die haben ihren Geist schon mit Schrott gefüllt. Also du liegst im Bett, hörst Mord und Totschlag, das sind die, die mit dem Radiowecker aufwachen. Dann bist du richtig gut drauf. Jetzt ist es nicht mehr die Nachrichten, jetzt ist es die Nachricht vom Mitarbeiter. Aber vielleicht siehst du das anders, weil du, also diese Chefrolle, du bist ja nie krank, das schätze ich übrigens an dir. Danke dafür.

  17.  

    Jennifer:

    Sehr gerne.

  18.  

    Ralf:

    Ich weiß gar nicht, wie du das hinkriegst.

  19.  

    Jennifer:

    Bin ich auch immer wieder überrascht.

  20.  

    Ralf:

    Du, weißt du, was mir auffällt? Ich habe das mal evaluiert. Das ist ja ein Thema, was mich auch wirklich, na, nervt, was mich berührt dieses Thema, und ich beschäftige mich schon lange damit. Ich sag’s dir einfach so wie es ist. Dass Top-Führungskräfte, Führungskräfte, Chefs, wenn die 10 Prozent von dem krank sind, was Mitarbeiter krank sind, und das spricht doch Bände. Also wie oft habe ich gefehlt?

  21.  

    Jennifer:

    Ja, aber du sagtest …

  22.  

    Ralf:

    Jetzt mal ganz ehrlich, Jenny? Wie oft habe ich gefehlt?

  23.  

    Jennifer:

    Ja, kenne ich, im Prinzip überhaupt nicht.

  24.  

    Ralf:

    Richtig.

  25.  

    Jennifer:

    Du kommst dann mit dem Kopf unterm Arm hierher.

  26. Krankmeldungen von Führungskräften und Mitarbeitern im Vergleich

  27.  

    Ralf:

    Wenn ich überhaupt mal krank bin, ich werde ja gar nicht krank. So, das ist das erste, und wenn, dann jammere ich nicht und wegen Kleinigkeiten bin ich weg. Und übrigens auch ein Grund, warum ich keine Lust hätte auf ein großes Team? Weil mir das Energie gefressen hätte, wenn ich ein Training beim Kunden vereinbart habe mit einem Mitarbeiter und der ruft mich morgens an, du, ich bin krank, und ich kann nicht einspringen. Ich würde tausend Tode sterben.

  28.  

    Jennifer:

    Ich finde, es war gerade so ein spannender Punkt, du sagtest, Führungskräfte, dass die viel, viel weniger krank werden als Mitarbeiter. Ich finde dann immer spannend hinzugucken oder sich auch als Chef die Frage zu stellen, warum bin ich denn gesünder und fitter und warum werden meine Mitarbeiter eher krank?

  29.  

    Ralf:

    Okay, also sorry, ganz wichtiger Punkt. Also da müssen wir auch anfangen. Lass uns da mal im Kern anfangen erstmal, warum ist der Mitarbeiter krank? Hat das was mit der Kultur zu tun? Was ist im Argen? Wir sagen ja immer Kunden stimmen mit Füßen ab, Mitarbeiter auch, also gucke hin.

  30.  

    Jennifer:

    Mache das nochmal deutlich, für uns ist es klar, was heißt, mit den Füßen abstimmen?

  31. Mögliche Gründe für einen hohen Krankenstand

  32.  

    Ralf:

    Na gut, wenn der Kunde nicht in den Laden kommt oder ins Unternehmen kommt, dann eben, weil er einen Grund dafür hat, weil er jemanden spannender findet, und wenn ein Mitarbeiter nicht ins Unternehmen kommt, dann hat es auch einen Grund, dann will er uns eventuell was sagen, weil die Stimmung nicht stimmt, die Kultur nicht stimmt oder die Belastung so hoch ist, die körperliche Belastung oder heute vielmehr die psychische Belastung.

  33.  

    Jennifer:

    Was sind denn so die Hauptpunkte, die dir in deinen Trainings denn auffallen, wo es heißt, okay, da gibt’s wieder den gelben Schein, was steckt dahinter?

  34.  

    Ralf:

    Ich will mal weg von, ich glaube A), dass manche zu schnell krankmachen heute, und wir müssen ja nochmal auf die E-Mail eingehen, da muss ich auch übrigens reagieren. Was geben wir denn mit auf den Weg, warum belastet mich das? Verstehst du, was ich meine? Also warum belastet mich das, wenn der andere krank wird?

  35.  

    Jennifer:

    Für mich ist es so, dass dann sich so eine Kette anschließt. Also auch, wenn wir sagen, im Endeffekt, warum geht’s die Führung was an? Ich glaube, auf der einen Seite ist es so, dass man sagt, okay, was mache ich vielleicht nicht passend, dass meine Mitarbeiter nicht kommen? Ich glaube, das gestehen sich die wenigsten Führungskräfte ein, dass sie da bei sich ansetzen und sagen, so, was kann ich jetzt konkret anders machen, das eher so global betrachten und sagen, meine Güte, unsere Mitarbeiter, immer sind sie krank, hohe Krankenquote, aber gar nicht so stark bei sich ansetzen. Das wäre so mein Wunsch und Impuls an alle Führungskräfte, bei sich erstmal hinzuschauen, was kann ich persönlich dafür tun, um dagegen zu wirken?

  36. Umgang mit einem hohen Krankenstand

  37.  

    Ralf:

    Was mir auffällt, dass es gar kein Konzept dafür gibt. Weißt du, wann so eine E-Mail kommt oder so eine Nachricht? Die kommt eben dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Ich sehe schon eine erhöhte Krankenquote in vielen Unternehmen, A) weil ich glaube, dass manche Mitarbeiter glauben, jetzt ist es einfacher, was will der Chef denn machen. Ja, was will er machen? Ich höre sogar, dass manche Angst haben mal auf den Tisch zu hauen, wenn es nötig ist, nicht dass dann jemand morgen krankmacht, so als Erpressungsversuch oder als Drohung im Hintergrund. Aber was mich stört, ist, wo ist das Konzept? Wir beschäftigen uns nicht gut damit. Also das Konzept, A) was macht es mit mir, wenn ich so eine Krankmeldung bekomme? Habe ich eine Strategie dafür? Weißt du, was ich meine?

  38.  

    Jennifer:

    Mhm (bejahend).

  39.  

    Ralf:

    Habe ich einen Plan B? Habe ich Prophylaxe? Spreche ich mit meinen Mitarbeitern denn drüber? Wie gehen wir damit um? Weiß der Mitarbeiter überhaupt, dass das mir auch psychischen Stress macht? Glaube ich nicht. Also reden wir darüber? Ist da Transparenz? Kommt dann nicht Frust?

  40.  

    Jennifer:

    Also ich denke ja, dass es ganz oft auch gar keine bewusste Entscheidung ist von einem Mitarbeiter zu sagen halt so, jetzt bin ich krank, jetzt bin ich raus, jetzt mache ich das nicht. Also ich glaube, das ist …

  41.  

    Ralf:

    Das unterstellen wir mal nicht. Das wäre ja Betrug.

  42.  

    Jennifer:

    Und von daher denke ich, passiert es dann halt eben eher, in Anführungszeichen, „gedankenlos“, in der eigenen Gedankenwelt halt eben involviert. Auf einmal ist das Kind krank, was soll ich machen? Dann muss ich mich krankmelden, wenn ich niemanden habe so. Aber dass das halt eben für beide Seiten denke ich gar nicht so klar ist. Der eine sieht nur, oh, jetzt fällt jemand aus, so, und was mache ich jetzt, wie stopfe ich jetzt dieses Loch? Das ist der Begriff der Prophylaxe, den du reingebracht hast, halt eben so einen Plan zu haben, was ist denn, wenn so eine Meldung halt eben kommt? Weil ich finde, da müssen wir heutzutage einfach von ausgehen, weil einfach alles schneller, rasanter wird, vielmehr Vernetzung da ist, Kinder früher in die Kita kommen, wir längere Öffnungszeiten haben, vielleicht weniger Ruhephasen da sind. Wir vielleicht manchmal gar nicht so die Chance sehen sich um uns zu kümmern, um die Gesundheit überhaupt zu kümmern, dass das so ein bisschen unterm Tisch fällt, und dass da ganz viele Faktoren halt eben zusammenkommen, die halt eben dann auch begünstigen, dass potenziell Krankheit halt eben auftauchen kann. Und da gemeinschaftlich halt eben Führungsrunde mit Mitarbeitern zusammen halt eben dran zu gehen und zu sagen, was heißt überhaupt für uns Gesundheit? Weil wir wollen ja auch weg vom Negativen, von der Krankheit hin zur Gesundheit, und zu sagen, was bedeutet denn für uns Gesundheit und ja Agieren im Team und wie gehen wir mit dem Fall um, wenn Gesundheit halt eben ausbleibt?

  43.  

    Ralf:

    Nehmen wir mal mit, ich möchte zu den einzelnen Themen noch mal einzelne Podcast-Serien machen, weil ich zu jedem Punkt eine Menge zu sagen hätte, unterschiedliche Facetten. Damit das nicht vermischt wird, würde ich gerne ein paar einzelne Podcast-Folgen machen. Also da finde ich ja auch das Thema Prophylaxe, dann finde ich ganz wichtig erstmal das Team, weil wer leidet denn? Das Team, dass man das auch versucht im Team zu lösen und nicht nur alleine als Führungskraft, sondern dass wir als Team vorher besprechen, wie gehen wir damit um, wenn jemand krankmacht? Das müssen wir besprechen und dann muss das Team das mit lösen und nicht immer die Führungskraft, dass sie jeden Morgen denkt, wen rufe ich jetzt an, wer sagt mir ab? Du musst heute Morgen mal einspringen. Nee, ich kann heute Morgen nicht. Verstehst du, das ist ja dann das, woher kommt diese Belastung? Dass ich jetzt hier ein Päckchen habe, was ich nicht lösen kann. Und was ist, wenn es die dritte Nachricht ist? Was meinst du, wie ich als Führungskraft mit dieser Belastung umgehe, wenn der dritte anruft an dem Tag? Was kriegt der wohl zu hören? Dinge, die man vielleicht nicht eben sagen will, aber nicht, weil es um den Mitarbeiter geht, sondern aufgrund meiner Belastung. Und das macht die Stimmung auch nicht gerade besser. Also deswegen ganz wichtig, dieses Reflektieren, das Bewusstmachen, im Team das vorher lösen, besprechen, lösen und einen Plan B dann auch im Team vereinbaren. Ganz, ganz wichtig.

  44.  

    Jennifer:

    Welchen ganz konkreten Tipp hast du denn? Auch wenn du sagst, Prophylaxe, im Team besprechen, ein so ein Impuls, sicherlich warten jetzt unsere Hörer hungrig drauf und sagen, was mache ich denn ganz konkret?

  45. Konkrete Maßnahmen bei einem zu hohen Krankenstand

  46.  

    Ralf:

    Dass ich eine Teambesprechung zu diesem Thema einberufe, dass ich sage, was es auch mit mir macht, was es mit dem Team macht, dass es jedem erstmal bewusst ist, dass wir es im Team lösen müssen, dass man einen kleinen Workshop macht und sagt, so, jetzt Lösungsvorschläge. Dass wir sagen, ja, dass man auch nicht Nein sagt, sondern wenn man gefragt wird, habe ich ein Team zum Beispiel, dass die Mitarbeiter sagen, ja, ich weiß, Nein nur im Notfall, ich springe dann ein. Und nicht, die Führungskraft muss betteln, das darf nicht passieren, dass ich betteln muss, sondern wir müssen es im Team lösen. Und wenn es nicht funktioniert, besprechen wir es nochmal bis wir ein funktionierendes System haben. So, das wäre ein ganz konkreter Vorschlag, von dem ich auch weiß, dass er funktioniert. Übrigens ein Hammer-Tipp ist, dass dann auch ein Mitarbeiter, der krank war, sich beim Team bedankt, dass sie es gelöst haben. Ist echt kulturfördernd.

  47.  

    Jennifer:

    Ja, dass es eben nicht so eine Selbstverständlichkeit ist, …

  48.  

    Ralf:

    Genau.

  49.  

    Jennifer:

    … sondern dass beide Seiten es wertzuschätzen wissen den Beitrag geleistet zu haben.

  50.  

    Ralf:

    Und dann kommt es auch nicht mehr, dieser Irrtum, wenn ich eine Woche krankgeschrieben werde, was ja viele Ärzte leider machen, immer gleich eine Woche, dass ich dann eine Woche zu Hause bleiben muss, stimmt ja gar nicht.

  51.  

    Jennifer:

    Ja, das finde ich, ist auch noch mal ein ganz wichtiger Impuls, habe ich letztens auch in einem anderen Kontext gehabt, wo es heißt, ja, ich habe einen gelben Schein, dann muss ich doch 5 Tage zu Hause bleiben, der ist soundso lange ausgestellt. Also das wirklich ein Irrglaube ist und dass ich sage, okay, ich kann auch nach 3 Tagen halt wieder zurückkommen.

  52.  

    Ralf:

    Ja klar, und dann bin ich gesundgeschrieben, ohne dass ich zum Arzt muss. Ja, aber da machen wir auch nochmal eine extra Folge, da habe ich auch nochmal glaube ich gute Tipps für. Also Prophylaxe heißt, vorher das zu besprechen und zwar jetzt, wenn noch niemand krank ist, jetzt, wo alles gut läuft, das zu besprechen. Plan B wäre für mich noch mal eine Lösung zu haben, wir haben eine Springerkultur in einem Unternehmen eingeführt, damit wir da so einen Pool haben von denen, die wissen, dass sie dann auch springen müssen. Nämlich wenn es darum geht in andere Bereiche zu gehen, was viele nicht gut finden, in andere Filialen zu gehen, was viele nicht gut finden, fremdes Team, habe ich Berührungsängste, sondern dass ich ein Team auswähle, dem es leichter fällt und die wissen, ich kann angerufen werden, das muss ich lösen. Dass ich vielleicht sage, da gibt’s einen Mehrwert für, da gibt’s unterschiedliche Modelle, aber das wäre dann für mich ein Plan B. Ich weiß jetzt, da habe ich einen Pool von Mitarbeitern, die ich anrufen kann, die sind vorher gebrieft, den fällt das auch leicht dann da reinzugehen. Und ich habe mit den Teams auch besprochen, wenn ein Mitarbeiter aus einer anderen Filiale kommt, wie gehen wir mit dem um? Dass der dann nicht nur schief angeguckt wird, dass der nicht nur Arbeiten macht, die kein anderer machen will, weil man da nicht mehr Lust hat irgendwo einzuspringen oder andere Kolonnen, es gibt ja ganz verschiedene Modelle.

  53.  

    Jennifer:

    Ja. Wobei ich finde, wenn es ja ein funktionierendes Team ist, kommt das ja gar nicht vor. Dann ist es ja eher, ach cool, dass du aus der Filiale jetzt mal da bist, uns unterstützt.

  54.  

    Ralf:

    Ja, Jenny, das sind die, die lange mit uns arbeiten, da funktioniert das. Aber wir haben auch welche, die am Anfang stehen, wo es noch nicht so funktioniert.

  55.  

    Jennifer:

    Also du hast jetzt Prophylaxe und am Plan B beziehungsweise Plan V als vorbereitet sein reingeworfen. Du sagtest, dir passiert das ja ganz selten oder viele tolle Menschen, die wir begleiten dürfen, die in Führungspositionen sind, denen passiert das selten. Als Schlüssel gibst du damit auf den Weg, ist es das Thema mentale Fitness?

  56.  

    Ralf:

    Total.

  57. Die Bedeutung von mentaler Fitness

  58.  

    Jennifer:

    Nimm unsere Hörer doch mal mit, was bedeutet für dich mentale Fitness?

  59.  

    Ralf:

    Für mich ist mentale Fitness, ein schöner Gegenpart zum Körperkult. Also jeder läuft in so ein Fitnessstudio und macht was für seinen Körper, was auch richtig und gut ist.

  60.  

    Jennifer:

    Du auch?

  61.  

    Ralf:

    Jenny, musst du immer Salz in diese Wunde? Ja, ich werde es dir beweisen, dieses Jahr wird es was. Also ja.

  62.  

    Jennifer:

    Also ich arbeite immer noch dran, ich bin wieder zum Pilates-Kurs angemeldet, 4 Einheiten sind gelaufen, ich war nicht dabei.

  63.  

    Ralf:

    Nee, ich wusste, was du noch nicht weißt, dass ich schon walke. Also schneller walke und wird jetzt auch ein Laufschritt kommen. Du wirst staunen. Aber ich habe noch mehr vor. So, mentale Fitness heißt für mich, ich bin eben mental fit, ich beschäftige mich mit meiner Selbstbegeisterung, ich kenne meine Energietankstellen und ich lerne eben meine Gedanken gezielt einzusetzen.

  64.  

    Jennifer:

    Persönlich finde ich, das ist ein ganz, ganz spannendes Thema. Wir beschäftigen uns damit, wir haben auch tolle Partner, die sich damit beschäftigen, aber für viele ist es doch wirklich wie Neuland. Also ich denke, gerade für viele Mitarbeiter, die gucken vielleicht, dass sie noch halt eben körperlich fit sind, das hinbekommen, aber mentale Fitness doch noch für viele Neuland ist, oder wie siehst du das?

  65.  

    Ralf:

    Ja. Vor allen Dingen, so wie wir es betreiben, dass man wirklich das auch regelmäßig trainiert. Also Mentaltraining wie im Sport, da hält es ja heute auch Einzug, selbst bei den Fußballern gibt es Mentaltraining, und ich vermisse das in Unternehmen, dass wir Mentaltraining für alle anbieten. Das sollte schon in Schulen angeboten werden, dass ich lerne mental fit zu sein. Ich sage, das gehört eben dazu, sorry, also der Stau gehört mittlerweile zum Autofahren, da brauche ich mich nicht aufregen, ich weiß, dass er kommt, ich habe ihn mitgebucht. Und die Krankmeldung gehört auch dazu. Also sie ist heute nicht eine Störung, sie ist heute Mentalität, also ein Stück, was dazugehört.

  66.  

    Jennifer:

    Also konkret Dinge dann auch anzunehmen?

  67.  

    Ralf:

    Anzunehmen.

  68.  

    Jennifer:

    Die sind einfach so, wie du sagst, so ein Stau gehört dazu, Krankmeldungen gehören dazu …

  69.  

    Ralf:

    Ja.

  70.  

    Jennifer:

    … halt eben, Innovation, Veränderungen, alles unser tägliches Brot, und dann halt annehmen.

  71.  

    Ralf:

    Ja, wann rege ich mich denn auf über Dinge? Wenn ich sie nicht erwartet habe, dann bin ich enttäuscht, frustriert. Wenn ich aber weiß, ein Stück Normalität und das ist mein Job das zu lösen, dann ist es meine Haltung, mit der ich da rangehe, und nicht sage, ah. Hör dir mal den inneren Dialog an, wenn du so eine Krankmeldung bekommst, was sagst du dann? Ah, schon wieder, typisch der, hör dir mal zu, wie du mit dir sprichst.

  72.  

    Jennifer:

    Ja. Das heißt, da sind wir, ich meine, das ist auch ein Thema für eine andere Folge, aber beim Bewerten statt beim Beobachten drin.

  73.  

    Ralf:

    Oh ja.

  74.  

    Jennifer:

    Wir sind ganz, ganz schnell im Bewertungsmodus.

  75.  

    Ralf:

    Total. Ja.

  76.  

    Jennifer:

    Oh nee, schon wieder.

  77.  

    Ralf:

    Hör auf zu bewerten, höre auf mit dem inneren Dialog, betrachte es von außen, fang an, hast Plan B, du bist vorbereitet. Es gehört dazu. Das ist für mich etwas, was wir hier wirklich auch mit auf den Weg geben müssen, weil ein bisschen in die Zukunft geschaut, ist das, was in Zukunft extrem auf uns zukommt, dass wir da fit sind. Wir werden mehr mit Störungen leben müssen, in vielen Bereichen, und das ist eine davon. Es wird der am besten überleben, gut damit umgehen, gesundbleiben, der da gut vorbereitet ist. Und weg nur von den Sachthemen. Schau mal, wie hoch ist der Anteil meiner Zeit als Führungskraft, um mich mit diesen Dingen im Vorfeld gut und gesund damit zu beschäftigen?

  78.  

    Jennifer:

    Ja. Wobei da werden ja ganz oft die Punkte an uns herangetragen, dass es heißt, okay, ich bin halt eben Führungskraft auf dem Papier und auch führungsverantwortlich im Organigramm, aber im Endeffekt bin ich zu 80 Prozent in operativen Prozessen drin.

  79.  

    Ralf:

    Genau.

  80.  

    Jennifer:

    Also da gilt es ja auch noch mal dort anzusetzen und zu sagen, okay, auch wirklich sich bewusst die Zeit zu nehmen und einzuräumen, um wirklich auch solchen strategischen Führungsaufgaben nachkommen zu können.

  81.  

    Ralf:

    Und wenn, bin ich ausgebildet. Die meisten Ausbildungen sind 30 Jahre alt, die Inhalte, neue Themen finden nicht statt oder ich bin gar nicht ausgebildet. Du kennst das ja, ab morgen Führungsverantwortung und nicht ausgebildet, gibt’s ja bei unseren Kunden nicht mehr, aber ist ja oft der Klassiker. Und wenn dann ausgebildet, leider mit Inhalten von vor 30 Jahren, auf diese Dinge bin ich nicht vorbereitet. So, ich gucke ein bisschen auf die Uhr.

  82. Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  83.  

    Jennifer:

    Kommen wir zu unseren Espressobohnen?

  84.  

    Ralf:

    Ja los!

  85.  

    Jennifer:

    Dann starte mal mit deiner 1. Bohne, die du heute auf die Waagschale wirfst.

  86.  

    Ralf:

    Ja, ich finde das Thema Prophylaxe ist auf jeden Fall, jetzt anfangen, bevor was passiert ist, mich darauf vorzubereiten, das mit meinem Team zu besprechen, zu diskutieren, das ist für mich Prophylaxe. Und die andere Prophylaxe ist, für die Gesundheit meiner Mitarbeiter ganz, ganz, ganz aktiv und meiner tätig zu sein.

  87.  

    Jennifer:

    Okay. Ich bringe die Bohne Plan V, da mochte ich deine Bezeichnung halt eben, dass es halt eben nicht Plan B, sondern Plan V in Form von Vorbereitung ist, Sich einfach intensiv im Vorfeld damit zu beschäftigen und dann nicht hinterher in so eine Jammerkultur zu versinken.

  88.  

    Ralf:

    Springer-Team zu gründen. Ja. Finde ich auch. Ich bin dann vorbereitet. Und die letzte Bohne, Jenny, das ist die große, nehmen wir die mal, das ist für mich mentale Fitness, weil es nicht nur zu diesem Thema wichtig ist, sondern insgesamt ein Riesenthema für mich wird für die Zukunft. Und wir sehen ja die steigenden Burnout-Fälle, Depression in vielen Bereichen. Ich glaube, das ist auch ein gesellschaftliches Thema und da können wir ganz, ganz, ganz viel bewegen. Machen wir vielleicht auch noch mal eine Folge.

  89.  

    Jennifer:

    Ja, sehr gerne. Bin ich dabei.

  90.  

    Ralf:

    So. Bist du mental fit heute?

  91.  

    Jennifer:

    Ja klar.

  92.  

    Ralf:

    Muss man als Mutter mental fit sein?

  93.  

    Jennifer:

    Ja, was für eine Frage. Nee, ich habe dir erzählt, dass mein Jüngster gerade einen Virus aus der Kita mitgeschleppt hat und der Kleine ist 4. Und da hatte ich so eine ziemlich schlaflose Nacht hinter mir, und wo ich heute Morgen vorm Spiegel stand, habe ich gedacht, na, siehst ja doch ganz gut aus für so wenig Schlaf. Nein, klar. Und dann schenkt heute die Sonne die passende Energie und Wärme dazu. Aber das heißt dann halt eben auch wieder da bewusst Einstellung wählen und sagen, es ist schön, dass der Kleine halt eben nur Magen und Darm hat und nicht noch mehr hat.

  94.  

    Ralf:

    So ist es.

  95.  

    Jennifer:

    Und dass der andere halt fit ist und dafür dann auch dankbar zu sein. Und für mich ist ja das Thema Achtsamkeit gerade ein ganz besonderes und Dankbarkeit und von daher bin ich mental fit.

  96.  

    Ralf:

    Dann wünsche ich gute Besserung.

  97.  

    Jennifer:

    Dankeschön. Deswegen sitze ich heute auch auf der anderen Seite von dir.

  98.  

    Ralf:

    Genau. Ja, richtig. Mit Abstand.

  99.  

    Jennifer:

    Ja, alles klar.

  100.  

    Ralf:

    Mach’s gut.

  101.  

    Jennifer:

    Ja, bis dann.

  102.  

    Ralf:

    Tschüss!

  103.  

    Jennifer:

    Ciao!

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