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#017 Frust im Job: Lass ihn raus!

#017 Frust im Job: Lass ihn raus!
Brennende Themen im Führungsalltag...

 
 
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Welcher Typ Chef sind Sie im Umgang mit Frust und Ärger im Job? Explodieren Sie auch mal, oder fressen Sie den Ärger eher in sich rein?

Der richtige Umgang mit Frust ist ein heißes Eisen – und das besonders für Führungskräfte. In diesem zweiten Teil der Serie „Heiße Eisen“ sprechen wir über explodieren, implodieren und den Abbau von Ärger. Ein entscheidender Faktor dafür, wie Sie mit Frust und Ärger umgehen, ist Ihre Persönlichkeit. Und deshalb ist ein ausgereiftes SelbstBEWUSSTsein die Grundlage für einen gesunden Umgang mit Ärger. Wie gehen Sie mit Ärger um? Zu welchen Reaktionen neigen Sie?

Ein paar Tipps für den Umgang mit Frust treffen auf alle Persönlichkeitstypen zu: Trennen Sie zum Beispiel Ihren privaten und beruflichen Frust. Nehmen Sie also keinen Ärger von zuhause mit zu Ihrer Arbeit. Und fressen Sie Ihren Frust nicht nur in sich rein. Suchen und finden Sie Ihr persönliches Ventil, mit dem Sie Ihrem Ärger Luft verschaffen können. Sonst läuft das Fass irgendwann über und Ihre Mitarbeiter bekommen die volle Ladung Frust ab. Hören Sie jetzt rein und holen Sie sich alle Tipps ab.

Das komplette Transkript
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Explodierende Chefs
Was ist zu laut? Was ist zu leise?
Rauslassen, statt in sich reinfressen
Privaten und beruflichen Frust und Ärger trennen
Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  1.  
    Jennifer:

    Wir haben hier ja ganz verschiedene Partner, die unser Begeisterungsland begleiten. Und ich habe ja einen Herzensmensch, der ganz regelmäßig hinkommt und uns Sachen bringt. Da habe ich immer einen ganz, ganz offenen Austausch mit ihm und ich schätze diesen jungen Mann total. Der meinte letztens, ja, ich habe gelernt, mehr bei mir zu sein, doch manchmal droht es zu explodieren. Da habe ich gesagt, das kann ich mir gar nicht vorstellen. So ein entspannter, tiefenentspannter Typ, kann ich mir gar nicht vorstellen. Wie ist es bei dir? Bist du schon mal so richtig, richtig explodiert?

  2.  
    Ralf:

    Das ist aber ein heißes Eisen. Bin ich schon mal richtig explodiert? Selten. Bestimmt. Ja. Also ich habe ganz weit weg von Jähzorn, also dann ist vorbei, aber den habe ich jetzt schon Jahrzehnte gefühlt nicht mehr, ist der nicht mehr zur Explosion gekommen. Der ist aber da, aber bin ich mal explodiert? Sehr selten. Also ja.

  3.  
    Jennifer:

    Und wenn, im beruflichen oder eher im privaten Kontext?

  4.  
    Ralf:

    Dann glaube ich, eher privat. Wir arbeiten ja jetzt 15 Jahre zusammen.

  5.  
    Jennifer:

    Ja, schon fast 16 Jahre.

  6.  
    Ralf:

    Bin ich explodiert, hast du mich mal …?

  7.  
    Jennifer:

    Nein, ich habe dich bis jetzt noch nicht explosiv erlebt. Nein, ich kann da auch nur von mir sagen, ja, auch ich, viele, die mich kennenlernen, sagen auch immer, ach, das ist eine ganz liebe, in sich ruhend. Ja, ich kann explodieren, aber dann auch im privaten Kontext. Beruflich denke ich, ist es bei vielen so, die schlucken dann. Und das sagte auch der junge Mann, ich schlucke, ich versuche eben nicht zu explodieren, aber manchmal werde ich dann doch laut und dann merken sie, okay, jetzt brodelt’s. Ich finde, das ist natürlich ein spannendes Thema wie Menschen, dann auch Führungskräfte, also Teammitglieder ihre Führungskräfte wahrnehmen, wenn man sagt, das ist so ein brodelnder Vulkan, da kommt es dann zum Ausbruch oder brechen manche aus, wo man dann denkt, was ist denn da jetzt los?

  8. Explodierende Chefs

  9.  
    Ralf:

    Ich habe gerade so Kopfkino und denke so, explodieren, wieviel explodieren kann man? Also ist ja schon manchmal ganz unangenehm, ich erlebe ja oft auch, ah Chefs, die dann schon etwas explodieren, noch etwas, und selbst das finde ich schon unangenehm, und denke auch, ungerecht oder hart. Weißt du, wie ich das meine?

  10.  
    Jennifer:

    Mhm (bejahend). Ja.

  11.  
    Ralf:

    Das sind oft auch dominante Menschen, also ich will nicht sagen, erstaunlich, also sehr hart.

  12.  
    Jennifer:

    Also habe ich frisch auch noch eine Situation gehabt, wo ich dachte, wow, ist schon schroff, ist schon hart. Also muss ja vielleicht nicht dieses Explodieren sein, vielleicht das Bild, was man gerade im Kopf hat, wenn er dann wirklich ganz, ganz heiß reagiert.

  13.  
    Ralf:

    Nicht, wir meinen nicht ausrasten.

  14.  
    Jennifer:

    Genau, nicht dieses völlig haltlos zu sein. Aber manchmal finde ich, ist es ja schon, wo du sagst, boah, ist laut. Wenn man jetzt wirklich einen Spiegel oder eine Kamera dabei hätte und man sich das hinterher nochmal angucken würde, dann würde man schon sagen, heftig, oder? Und da geht’s ja wirklich immer um eine Professionalität auch. Nur ich denke, ganz oft ist es so, dass die Personen, wo es so ist, es gar nicht merken.

  15.  
    Ralf:

    Absolut. Also auf keinen Fall, sonst würden sie es nicht so machen, weil es ein hoher Demotivationsfaktor ist. Also ich habe es erlebt, dass die Mitarbeiter es oft demotiviert hat, dass sie es nicht annehmen konnten. So, und deswegen glaube ich, wenn man es merken würde, würde man es ja so nicht machen oder man hat zu lange gewartet. Ist es dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und dann explodiere ich und dann werde ich eben laut. Und dann trifft es ja, also zu Hause kenne ich das, dann trifft es eben gerade dann den, der den Tropfen zum Überlaufen gebracht hat, und dann ist es ja nicht mehr gerecht sein, sondern es trifft dann mit voller Wucht den, der gerade da steht, und der sagt, wegen dieser Kleinigkeit? So.

  16. Was ist zu laut? Was ist zu leise?

  17.  
    Jennifer:

    Aber da ist so mein Wunsch oder Aufruf auch an alle Führungskräfte da draußen, die uns lauschen, überhaupt hinzugucken, wie gehe ich in solchen Situationen um? Was bedeutet vielleicht für mein Team schon Explodieren? Oder wo man sagt, wow, der Chef ist aber heute besonders heiß drauf.

  18.  
    Ralf:

    Aber ist es jetzt gut oder schlecht? Es gibt ja auch noch das Implodieren, dann kommen die Dinge von außen und die schlucke ich und dann zerfrisst es mich und dann …

  19.  
    Jennifer:

    Das finde ich persönlich ja fast noch gefährlicher. Ich finde, wenn jemand lauthals unterwegs ist oder sehr geradeaus ist, damit kann ich ja noch umgehen, aber im Endeffekt, wenn ich einen Chef habe, wo ich es gar nicht merke, der alles in sich hineinfrisst und irgendwann heißt es, Herr Mustermann kommt nicht mehr, und alle sind ganz überrascht, uns sagen, wieso? Ja.

  20.  
    Ralf:

    Ich glaube, dass das Implodieren auch dann eben diese Geschichte ist, dass Salute Genese oder psychosomatisch, dass der Körper dann dort implodiert und sich das schwächste Körperteil raussucht und dann kann ich krank werden und auch körperlich krank werden, obwohl es vielleicht der Druck von außen war, den ich wahrgenommen habe. Also psychische Themen können dann auch zu körperlichen Krankheiten führen. Das ist ja auch so eine Art Implodieren, es sind ja auch gerade die Persönlichkeitstypen, die eher introvertiert sind, die es eben reinschlucken und diese Katharsis, das heißt ja das Rauslassen, dieses Rausschreien, dieses Rauslassen ist gesünder. So, was ist jetzt richtig oder falsch? Kann man gar nicht sagen.

  21. Auch mal rauslassen, statt in sich reinfressen

  22.  
    Jennifer:

    Wir sind ja immer Freunde davon halt wertfrei damit umzugehen, dass gar nicht das eine richtig und das andere halt eben falsch ist, sondern eher, finde ich, auch da wieder für sich zu reflektieren, wie bin ich, wie gehe ich in solchen Situationen damit um? Wenn ich merke, ich bin vielleicht eher so ein ruhigerer Typ, mich ärgern Sachen, aber ich fresse es in mich hinein, dass ich für mich Ventile habe, dass ich weiß, wie gehe ich damit um. Ob es sage ich mal in den Wald gehen ist, laut schreien ist, ich habe irgendwann auch mal den Tipp bekommen, Frau Zacher, fahren sie in den tiefsten Wald und schreien mal ganz, ganz laut.

  23.  
    Ralf:

    Da habe ich gerade am Wochenende auch noch mal einen Tipp gekriegt von einem Mitarbeiter, der sagte, ich bin zu meinem Hausarzt gegangen, der ist 70 oder 75 sogar, der macht so ein paar Stunden noch, und der hat gesagt, du, pass mal auf, wenn das so ist und ihr schreit euch an, das bringt gar nichts. Weißt du, was du vorher machst? Und das fand ich gut, du klärst das mit deinen Chefs ab, das hat er gemacht, du gehst in die Ecke, jetzt finde ich das Rauchen eben dabei nicht so gut, aber der raucht dann eine Zigarette. Für mich wäre es eine Tasse Kaffee trinken, für mich wäre es irgendwie anders, bei sich bleiben, was auch immer dir guttut, und fahr dich runter. So, und bei dir könnte es ja, in den Wald ist es eben zu weit weg während der Arbeit, obwohl bei uns.

  24.  
    Jennifer:

    Ja, wir haben das Feld ja hier.

  25.  
    Ralf:

    Bei uns geht’s.

  26.  
    Jennifer:

    Ich kann hier einfach rausgehen aufs Feld, hier würden es nur nebenan die Schweine vom Bauern mitkriegen.

  27.  
    Ralf:

    Also das finde ich auch gut, wenn du das spürst frühzeitig, dann sozusagen dein Notfallprogramm haben, nimm dir 10 Minuten und lass da ein Stück raus, also finde dein Ventil. Aber was nicht geht, ist den anderen zu verletzen. Und da entscheidet ja auch immer das, wie es beim anderen ankommt, nicht wie du es gemeint hast. Und da musst du eine Lösung finden. Da kannst du auch nicht sagen, ich kann nichts dafür, ich bin eben so ein Typ, ich bin eben so ein Typ, also das habe ich mitgebucht, bin eben so ein dominanter und dann gehört das dazu. Nee.

  28.  
    Jennifer:

    Ich finde, damit machen sich es viele dann auch einfach, man sagt, bin ich halt so ein Typ, ich bin dann so ein Choleriker. Ich bin dann halt eben laut. Und das finde ich, ist halt eben kein Argument.

  29. Beruflichen und privaten Frust und Ärger trennen

  30.  
    Ralf:

    Genau. Und das mit nach Hause nehmen geht gar nicht, und dann zu Hause die Menschen, die dir am meisten bedeuten, darunter leiden lassen, wenn du bei der Arbeit was mitnimmt. Also das Ventil wichtig, lasse es bei der Arbeit, und wenn du nach Hause kommst, ist es abgelassen. Das ist ganz wichtig, also dass ich das nicht mit nach Hause nehme, weil dann reicht vielleicht, wenn ich da schon sehr gefüllt ankomme mit der Seele, mit dem Fässchen, da reicht dann ja so ein Tropfen und dann explodiert das. Also auch noch mal den Hinweis, ganz wichtig.

  31.  
    Jennifer:

    Ja. Mhm (bejahend). Da finde ich aber auch genauso in die andere Richtung. Oft ist es ja so, dass man vielleicht sagt, okay komm, hier für die Kinder reiße ich mich zusammen, morgens Stress mit dem Partner gehabt oder irgendwas ist schiefgelaufen, vielleicht ein blödes Telefonat mit der besten Freundin, oder in der Familie ist irgendwas mit Krankheiten, Gespräch, und im Prinzip schleppst du das so mit. Und dann geht was im beruflichen Kontext halt schief, und dann sagst du halt, na, dem Kollegen, dem du gesagt hast, hier, bitte erledige das und du guckst und es ist nicht gemacht und dann kriegt der es halt eben ab, weil du es von zuhause halt mitschleppst. Ich finde, das hat halt eben beides, in beide Richtungen.

  32. Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  33.  
    Ralf:

    Ich denke, wir könnten das vielleicht schon zusammenfassen, also Explodieren oder Implodieren.

  34.  
    Jennifer:

    Also weder richtig noch falsch.

  35.  
    Ralf:

    Genau.

  36.  
    Jennifer:

    Implodieren, Explodieren, sondern erst mal hingucken, bin ich der Typ, der eher explodiert oder bin ich der Typ, der das bei sich ausmacht, in sich hineinfrisst?

  37.  
    Ralf:

    Tasse halb voll oder halb leer sozusagen.

  38.  
    Jennifer:

    Genau. Okay.

  39.  
    Ralf:

    Und jetzt machen wir die Espressobohnen.

  40.  
    Jennifer:

    Ich habe schon eine Espressobohne hier reingeschmissen, eine fürs Implodieren und Explodieren, also überhaupt hinzugucken, was bin ich denn für ein Typ.

  41.  
    Ralf:

    Genau. Dann wichtig ist, lass es raus, also schlucke es nicht runter, aber lass es raus, weil das macht dich am Ende krank. Ganz wichtig. Finde nur den richtigen Weg, finde den richtigen Zeitpunkt. Ja.

  42.  
    Jennifer:

    Ja. Bei dir ist im Moment ein Ventil, laufen, laufen, laufen, ne?

  43.  
    Ralf:

    Ja. Ich hab’s geschafft.

  44.  
    Jennifer:

    Ja, du hast vorhin stolz berichtet, 5 Kilometer. Und die, die Herrn Strupat vielleicht noch nicht so gut kennen, die würden ihn jetzt sehen hier, sportlich auf dem Sofa, schlank und rank.

  45.  
    Ralf:

    Ja. Danke, danke.

  46.  
    Jennifer:

    Gerne.

  47.  
    Ralf:

    Haben wir noch eine Bohne?

  48.  
    Jennifer:

    Ja, ich finde, dieses nicht einfach abgeben, nicht zu sagen, so bin ich halt. Dieses einfach hinnehmen, so ein Typ bin ich, das lassen wir nicht durchgehen.

  49.  
    Ralf:

    Ja. Und vorher klären, wenn es passiert, wie gehen wir damit um? Das find ich auch nochmal gut. Also wenn es passiert, vorher mal klären, dann auch, wenn ich es wahrgenommen habe, wieder einfangen, richtigstellen, unter Umständen entschuldigen, wenn nötig oder erklären, nicht unbedingt rechtfertigen.

  50.  
    Jennifer:

    Du bist ja total kommunikationsstark. Welchen Tipp hast du für unsere Hörer, die sich vielleicht zu dieser explosiven Kategorie zählen, die sagen, dann bin ich laut geworden, dann stand ich da mit hochrotem Kopf, so, wie komme ich denn aus der Nummer dann wieder raus?

  51.  
    Ralf:

    Ich bin ja jemand, der seine Macken vorher erklärt. Also wenn ich, dann sage ich schon mal, dass das passieren kann, wobei mit meiner Cholerik zum Beispiel ich spüre das, also ich habe das trainiert, früh genug zu spüren und dann entsprechend nicht mehr zu eskalieren in mir, damit das eben ausbricht. Also das kann man auch trainieren zu spüren. Und ich finde immer das Vorwegnehmen von solchen Situationen ganz wichtig, mich erklären, sodass es einzuschätzen ist. So, sollte das mal passieren, wie gehen wir damit um? Mir wurde das nachgesagt, jetzt fängt jemand neu an, der mich gar nicht kennt, der findet das vielleicht nachher ganz schrecklich, und ich weiß, dass ich so ein Typ bin, dann würde ich das vorwegnehmen und erklären, und auch klären, wie wir dann damit umgehen, und die Erlaubnis geben für Feedback.

  52.  
    Jennifer:

    Mhm (bejahend). Okay. Alles klar, dann geht noch eine Bohne in unsere Untertasse.

  53.  
    Ralf:

    So.

  54.  
    Jennifer:

    Ja, finde ich ein spannendes Thema, unser heißes Eisen, davon wird es sicherlich in Zukunft mehr geben, und dann freue ich mich schon auf den nächsten Praxisfall, …

  55.  
    Ralf:

    Ja, ich auch.

  56.  
    Jennifer:

    den wir genau zu dieser Kategorie haben.

  57.  
    Ralf:

    Vielen Dank und dir noch einen schönen Tag. Wir haben jetzt Feierabend.

  58.  
    Jennifer:

    Ja, für dich auch. Bis dann!

  59.  
    Ralf:

    Tschüss!

  60.  
    Jennifer:

    Tschüss.

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