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#016 Lob – so wirkt es und kommt an

#016 Lob – so wirkt es und kommt an
Brennende Themen im Führungsalltag...

 
 
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Heute geht unsere neue Serie  „Heiße Eisen“ an den Start. Oft tragen Führungskräfte Themen an uns heran, die diskussionswürdig und prekär sind. Daher bereichern wir unseren „Doppelten Espresso“ um diese „Kategorie“. Unser „Heißes Eisen“ fokussiert heute Komplimente und Lob im Unternehmen. 

Das Thema verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit als es oft bekommt. Denn eine gute und funktionierende Lobkultur im Unternehmen beugt Missverständnissen vor, verbessert den Teamgeist und zeugt von gegenseitiger Wertschätzung.

Wir sprechen in dieser Folge darüber, warum Führungskräfte Komplimente oder auch Lob oft schnell bereuen, hinterfragen ob auch Chefs gelobt werden mögen und zeigen wie Lob beim Gegenüber passend ankommt. Hören Sie mit. 

Das komplette Transkript
> Hier als PDF-Datei zum Download <

Jetzt direkt zu einem Thema springen:

Muss ich für Selbstverständliches loben?
Gegebenes Lob bereuen
Loben trotz Dauerstress?
Auch Chefs wollen gelobt werden
Wie lobe ich richtig?
Reflektieren: Lobe ich genug? Wie lobe ich?
Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  1.  
    Ralf:

    Lob ist doch scheiße.

  2.  
    Jennifer:

    Wie, Lob ist scheiße?

  3.  
    Ralf:

    Das habe ich jetzt zitiert von einer Führungskraft, die zu mir sagte, Mann, Loben ist doch sch…, weil eine Minute später bereue ich das.

  4.  
    Jennifer:

    Okay, klingt auf jeden Fall spannend. Ich finde, das hat was von, heißes Eisen.

  5.  
    Ralf:

    Heißes Eisen, stimmt. Und ich habe einige heiße Eisen im Gepäck. Ich denke wir haben eine neue Kategorie, die Kategorie „Heiße Eisen“, Gettofaust.

  6.  
    Jennifer:

    Okay.

  7.  
    Ralf:

    Sehr gut. Ja, du bereust es, habe ich gefragt. Ja, ich finde, Loben ist undankbar. Eine Minute später, ich habe es ja mitgeschrieben, eine Minute später bereue ich es schon wieder.

  8.  
    Jennifer:

    Welches konkrete Beispiel hat dir denn dein Partner da mitgebracht?

  9. Muss ich für Selbstverständliches loben?

  10.  
    Ralf:

    Hm, ehrlichgesagt das weiß ich jetzt gar nicht. Es ging um Selbstverständliches. Die Frage dahinter war auch noch, muss ich für Selbstverständliches meine Mitarbeiter loben?

  11.  
    Jennifer:

    Nein.

  12.  
    Ralf:

    Nein.

  13.  
    Jennifer:

    Sage ich ganz klar, Nein.

  14.  
    Ralf:

    Also für selbstverständliche Dinge lobe ich nicht, sicher?

  15.  
    Jennifer:

    Es kommt drauf an, was selbstverständlich heißt und wie ich generell mit Lob umgehe.

  16.  
    Ralf:

    Okay, dann lass uns mal meine Frage, was ist denn selbstverständlich?

  17.  
    Jennifer:

    Ich denke, für uns ist, ja, was heißt nicht vieles selbstverständlich, aber wenn ich sage, hier, packt mit an, dann muss ich dafür nicht Danke sagen. Also Danke sagen schon im Rahmen von Werteorientierung, aber nicht loben, super, dass du mit mir jetzt hier den Tisch geschleppt hast.

  18.  
    Ralf:

    Das finde ich auch noch mal wichtig. Danke sagen, ja.

  19.  
    Jennifer:

    Ja, im Rahmen unserer Werteorientierung, ganz klar.

  20.  
    Ralf:

    Danke, bitte, guten Tag, auf Wiedersehen, Höflichkeit, Respekt.

  21.  
    Jennifer:

    Auf jeden Fall.

  22.  
    Ralf:

    Wertschätzung.

  23.  
    Jennifer:

    Mhm (bejahend). Aber …, ja?

  24.  
    Ralf:

    Und Loben ist dann darüber hinaus ein bewusster Vorgang, dass sich jemanden reinhole und …

  25.  
    Jennifer:

    Ja, also da sind wir ja sage ich mal Befürworter im Rahmen einer Lobkultur, es bewusst zu machen, also dem Ganzen auch Raum und Zeit zu schenken, aber wenn du von Selbstverständlichem sprichst, ist es sehr herausfordernd. Ich finde, selbstverständliche Dinge passieren ja ganz viele im Alltag, wo ich sage, das setze ich vielleicht voraus, also da ist wieder halt eben die Frage, was ist denn gemeinsame Basis? Sprechen Chef und Mitarbeiter eine Sprache, dass man vom gleichen Kontext ausgeht? Ja, und dann finde ich, muss ich für mich, wenn ich es geklärt habe, was selbstverständlich ist in unserem Zusammensein, muss ich nicht bewusst loben. Danke sagen, klasse, dass du dabei bist, super, dass du mir geholfen hast, aber nicht dieses bewusste Loben.

  26. Gegebenes Lob bereuen

  27.  
    Ralf:

    Ich kann die Aussage einen Hauch verstehen. Natürlich stimmt die Aussage so nicht, aber ich kann es verstehen, eine Minute später bereust du es schon wieder. Das kenne ich total. Und das ist eben schwer, dass du dann das so vergleichst. Du lobst ihn für etwas und dann klappt schon wieder was anderes nicht, was dich ärgert, und dann bereust du es und sagst, boah, weil du das irgendwie auf einen Mitarbeiter fokussierst, aber nicht trennst.

  28.  
    Jennifer:

    Aber das finde ich schon schade, wo du sagst gerade halt eben mit diesem nicht trennen, weil ich finde, ich kann ja eine Situation haben, die ich wirklich gut finde, die ich dann auch lobe, dann sollte ich es aber nicht im nächsten Moment bereuen, selbst wenn dann etwas kommt, wo du sagst, das ist doch jetzt Bullshit, aber das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun.

  29.  
    Ralf:

    Genau. Aber ich kenne das Gefühl, weil man eben nicht trennt, weil es ja auf einem Konto gebucht wird, auf einem Personenkonto. Es beides Male bei Ulrich gebucht. Eben hat er das gut gemacht, dafür hast du ihn noch gelobt und jetzt siehst du, gucke dir mal den Platz an, guckte dir mal den Hof an, guckte dir mal den Schreibtisch an, gucke dir mal den Vorgang an, und da bucht der doppelt und dreifach ab.

  30.  
    Jennifer:

    Ich denke nur, dass häufig die viel größere Herausforderung ist, dass es vielleicht gar nicht um ein und dieselbe Person geht. Also Führungskräfte haben ja viele Teammitglieder, die sie begleiten, dann hast du vielleicht den einen vorhin noch gelobt und dann kommen so viele Sachen hintereinander weg, wo du denkst, was für ein Bullshit.

  31.  
    Ralf:

    Gut, aber bleiben wir erst bei der einen Person.

  32.  
    Jennifer:

    Okay.

  33.  
    Ralf:

    Verstehst du das, wenn du jemanden lobst und dann eine Stunde …

  34.  
    Jennifer:

    Geht der raus …

  35.  
    Ralf:

    und eine Stunde später bucht der ab in seinem Verhalten, und dann sagst du dir, ah.

  36.  
    Jennifer:

    Also, wenn du es so beschreibst, kann ich das Gefühl verstehen, ja. Dennoch finde ich, ist, dass man es trennen sollte, sollte.

  37.  
    Ralf:

    Ja.

  38.  
    Jennifer:

    Dass man sagt, das eine, das war gut, dafür habe ich gelobt, ist in Ordnung, und das andere halt nicht. Ich finde, es ist eher die Frage, wie gehe ich damit um, wenn etwas dann halt nicht funktioniert hat. Nicht zu resignieren und dann, boah, scheiße, hätte ich mal vorhin nicht gelobt oder ärgere ich mich, sondern zu sagen, nee, das stand, das ist in Ordnung, aber mich dann auch mitzuteilen und zu sagen, ja, herausfordernd, ja.

  39.  
    Ralf:

    Okay. Also dieser Punkt bleibt ein Riesenherausforderung. Trotzdem an sich selber arbeiten, das zu trennen, wirklich zu trennen und dann nicht zu bereuen, auf sich selber, seinen inneren Dialog zu hören, dagegen anzukämpfen, trenne Personen und Verhalten, ganz wichtig. Das ist eben das eine Verhalten und jetzt ist das andere Verhalten, diese beiden Punkte nicht gegeneinander aufwerten.

  40.  
    Jennifer:

    Und nicht zu vermischen.

  41. Loben trotz Dauerstress?

  42.  
    Ralf:

    Nicht zu vermischen. Okay. Jetzt dein Fall. Ich habe mehrere Themen, die haben ganz viele Themen zurzeit Führungskräfte, finde ich, unter Dauerstress. Also ich kriege ganz viel Feedback, dass die Themen gar nicht abzuarbeiten sind, die auf dem Schreibtisch vieler Mitarbeiter, aber auch vieler Führungskräfte sind, was klassische Führung angeht, und darüber hinaus auch die Ziele und Strategie der Zukunft jetzt schon in Gang zu setzen. Also gerade habe ich so ein Gefühl aus der Praxis, dass da ganz, ganz, ganz viel in Bewegung ist, ganz viel Dampf. Okay. Und jetzt habe ich da so eine Wahrnehmung und ich bin ja als Chef oft auch defizitorientiert, weil ich ja immer nach Verbesserungen gucke, und das ist dein Fall, jetzt gehe ich so rum und als Chef kriege ich übrigens nur meistens negative Dinge auf den Schreibtisch. Also ich werde oft als Chef involviert, eher bei Themen, die nicht so laufen, wie sie laufen sollten, oder Entscheidungen treffen und wenn die Mitarbeiter viel rückdelegieren, kriege ich viel auf den Schreibtisch und irgendwann, puh ja.

  43.  
    Jennifer:

    Ja, aber da liegt es ja auch an der Führungskraft. Wenn du es beschreibst, dass vieles rückdelegiert wird, gilt es an der Stelle halt auch zu schauen, warum wird so viel zurückdelegiert? Manchmal ist es ja auch der Weg des geringeren Widerstandes, wenn ich als Mitarbeiter sage, kriege ich nicht hin, schaffe ich nicht, ist der Chef für verantwortlich, ich gebe es ab, und der Chef nimmt es dann auch wieder zurück.

  44.  
    Ralf:

    Hat mit meinem eigenen Zustand zu tun, also wenn ich gut drauf bin, lobe ich wahrscheinlich öfter und bewerte auch Situationen anders, also Zustandsmanagement. Ich muss selber sehr stark darauf achten, wie es mir gerade geht, sonst habe ich diesen Halo-Effekt, der ja viele Dinge überstrahlt und dann bin ich sehr defizitorientiert und dann tue ich mich natürlich mit Loben schwer und bin eher, dass mich das nervt und dann sozusagen auf der Fehlersuche bin.

  45.  
    Jennifer:

    Ja. Nochmal so den Brückenschlag zu meinem Beispiel, weil du sagtest, dann lobe ich vielleicht generell halt weniger oder ich habe halt eben gerade gelobt und dann geh ich aber rum und habe halt wieder ein anderes Thema von einem anderen Mitarbeiter liegen, und dass ich mich dann vielleicht generell ärgere, dass ich jemanden gelobt habe, wobei mehr Leute im Prinzip vielleicht eher Fehler machen, vermeintliche Fehler machen, und wo ich eher sag ich mal vielleicht negativ austeilen würde. So, ich glaube, das ist ja so ein bisschen die Herausforderung, dass man sagt, jetzt hast du gelobt und fandst du das auch alles in Ordnung und dann kommt zack, zack, zack, ganz viele Themen auf den Tisch, wo du denkst, meine Güte, die brauchst du auch gar nicht loben. Nur das ist dann so eine Verallgemeinerung, finde ich. Klar, so wie du schon beschreibst aus vielleicht einer eigenen negativen Haltung durch Stress bedenkt und das vielleicht selbst zu wenig zu reflektieren und sagen, ist alles eine Menge, wie soll ich das denn überhaupt hinkriegen, ich habe so viele Themen hier liegen. Und ja, dass dann eben vielleicht dieses Lob wirklich kippen kann, dass man sagt, ich tue alles als Führungskraft, ich gebe alles rein, ich lobe die, ich gucke, dass es denen gutgeht, und im Endeffekt landet doch wieder alles auf meinem Tisch.

  46.  
    Ralf:

    Und Danke kriegst du eh nicht.

  47. Auch Chefs wollen gelobt werden

  48.  
    Jennifer:

    Ja, wollen Chefs ein Danke hören?

  49.  
    Ralf:

    Wollen Chefs ein Danke hören? Ja klar. Chefs wollen auch mal ein Danke hören. Ich sag immer, gegen Kritik kannst du dich wehren, gegen Lob nicht.

  50.  
    Jennifer:

    Ja, finde ich, ist ein ganz spannendes Thema, also im Rahmen von Werteorientierung. Klar sollte man auch sagen, danke auch in Richtung Chef, nur ich find’s spannend in der Praxis zu beobachten, wie es denn dann wirklich ist, wenn jemand kommt und auch mal den Chef dann loben würde? Passiert ja glaube ich ganz, ganz selten.

  51.  
    Ralf:

    Ja.

  52.  
    Jennifer:

    Vielleicht auch eher eben so nebenbei. Ist ja gutgelaufen, aber auch eher allgemeingesprochen. Ich glaube nicht, dass man bewusst sagt, Chef, haben Sie toll gemacht, haben Sie supergut entschieden, finde ich richtig klasse.

  53.  
    Ralf:

    Da hätte ich Angst, dass da die Forderungen kommen, beim Mitarbeiter vielleicht, dass dann das Gehaltsgespräch kommt. Späßchen.

  54.  
    Jennifer:

    Ja, nein, aber ich glaube schon, auch wenn du das jetzt so reinbringst und reinwirfst, ich glaube, das wäre so die erste Assoziation bei einem Chef, wenn jetzt ein Mitarbeiter kommt und sagt, haben Sie ganz toll gemacht, klasse, finde ich super, danke, genial, dass man dann erstmal denkt, und? Wo ist jetzt der Haken? Was kommt jetzt?

  55.  
    Ralf:

    Was kommt jetzt?

  56.  
    Jennifer:

    Weil ich finde, die wenigsten Menschen können Lob richtig gut annehmen, findet ich, ist ähnlich wie bei Komplimenten.

  57.  
    Ralf:

    Ja, Riesenthema, Lob annehmen. Genau. Stimmt. Ja. Also Chefs wollen auch Lob. Wie lobt man denn richtig? Wie lobst denn du deine Kinder?

  58. Wie lobe ich richtig?

  59.  
    Jennifer:

    Du merkst, ich bin erst mal ganz still und ruhig. Nein, ich finde, Loben sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext ist wirklich eine große Herausforderung, also so, dass es halt eben passend dosiert ist. Und ich glaube, das ist auch immer abhängig von dem Menschen, den man gegenüber hat, dass man nicht pauschal lob austeilen kann. Ich sehe allein bei meinen Jungs, die sind nur anderthalb Jahre auseinander, die sind wie Tag und Nacht. Wenn der eine, wenn ich Daumen hoch zeige, ist der schon happy und sagt, super, ich habe alles gut gemacht, und der andere braucht es wirklich ausdrücklich, dass ich wirklich ganz genau sage, was er halt eben gut gemacht hat. Und irgendwann habe ich mal in so einem Erziehungsratgeber gelesen, dass man nicht zu pauschal alles loben sollte. Also hast du alles super gemacht oder klasse, sondern wirklich halt eben ganz genau Rückkopplung geben, was denn jetzt besonders ist.

  60.  
    Ralf:

    Und dein Partner? Lobst du den genug?

  61.  
    Jennifer:

    Gut, dass unsere Zuhörer uns jetzt nicht sehen können, da würde ich wahrscheinlich hier unter der Tischkante verschwinden. Nein.

  62.  
    Ralf:

    Sind wir uns beide einig, auch wahrscheinlich zu wenig, ne?

  63.  
    Jennifer:

    Ja, mein Mann kriegt viel zu wenig Lob, weil da ist es so ein bisschen mit diesem Thema Selbstverständlichkeiten, wo ich sage, ist doch selbstverständlich, dass ich mir die Unterstützung wünsche. Aber auch da kann man ja, wenn es kein bewusstes Lob ist, aber wenigstens sagen, danke, dass du mich unterstützt.

  64.  
    Ralf:

    Also ich erlebe dich ja hier bei der Arbeit, da bist du ja schon auch ein bisschen perfektionistisch, schnell, zack, zack. Wenn du so zu Hause bist, kann ich mir vorstellen, ist auch eher defizitorientiert, oder?

  65.  
    Jennifer:

    Mhm (bejahend). Ja, schon.

  66.  
    Ralf:

    Und vieles selbstverständlich und guckst, ah, hat er das nicht gemacht. Kommst nach Hause und siehst, das erste, was nicht gemacht ist.

  67.  
    Jennifer:

    Ja, also das ist ja auch bei uns selbst im Begeisterungsland so, da habe ich ja auch oft den Blick dann darauf, erstmal zu gucken, na, hat jemand die Spülmaschine angestellt, sind die Gläser halt irgendwie dahingestellt, dann habe ich noch gedacht, gucke noch mal in den Kühlschrank halt rein.

  68.  
    Ralf:

    Und selten gut genug, wenn ich ehrlich bin.

  69.  
    Jennifer:

    Ja, ist so. Ja. Und den Schuh ziehe ich mir da ja auch bewusst an, wo ich sage, das Thema Loben ist so wichtig und ich glaube, die wenigsten kriegen es, wir wollen ja wertfrei sein, aber kriegen es richtig, richtig gut hin, passend hin. So wie ich schon sagte, für sein Gegenüber passend.

  70.  
    Ralf:

    Aber ich finde es noch mal ganz spannend. Jetzt kommst du, ich denke, ich habe es gut gemacht, und dann kommst du und räumst um, total demotivierend. Und dann kommt ja dann auch kein Lob, obwohl ich mein Bestes gegeben habe.

  71.  
    Jennifer:

    Wobei, da muss ich schon sagen, da versuche ich mich ja wirklich halt eben zurückzuhalten, weil ich finde, das macht schon vieles kaputt. Also gar nicht sich da mitzuteilen oder zu sagen, das hätte ich mir anders gewünscht oder nachzufragen, warum hast du das jetzt halt so gemacht? Ich finde, es sind dann eher die stillen Taten, die noch mal halt folgen, dieses Geraderücken von Flaschen oder Gläsern.

  72.  
    Ralf:

    Ja, das reicht ja schon, du musst ja nur, genau.

  73.  
    Jennifer:

    Ja, ja, deswegen, und das meine ich. Das hat ja oftmals eine viel, viel größere Wirkung, dann denkt man so im Prinzip, ich habe doch jetzt gar nichts gesagt, kriegt der andere doch gar nicht mit, aber dennoch ist es ja spürbar, wenn du mit dem Ergebnis nicht zufrieden warst.

  74.  
    Ralf:

    Genau, es war nicht gut genug.

  75.  
    Jennifer:

    Ja genau.

  76.  
    Ralf:

    Das spürst du. Und wenn es jetzt nicht gut genug war, also jetzt bist du Chef und siehst, der Mitarbeiter legt was vor und dann …

  77.  
    Jennifer:

    Ja, besprechen, auf Augenhöhe besprechen. Eben nicht einfach sagen, zack, ist nicht oder Rotstift ansetzen oder selber korrigieren. Wenn man dann sagt als Chef, kriege ich es dann doch hin schneller, besser, anders hin, entsprechend meine Ansprüche. Das ist halt eben das Thema für Transparenz zu sorgen. Was ist denn jetzt mein Anspruch? Und dass man dann halt eben einen gemeinsamen Nenner findet, wo man sagt, okay, da, auf der Basis können wir ansetzen und auch Lob verteilen oder auch konstruktiv kritisch Rückmeldung geben.

  78. Reflektieren: Lobe ich genug? Wie lobe ich?

  79.  
    Ralf:

    Also praktischer Tipp schon mal vorab. Jeder guckt für sich, ob er zu Hause genug lobt, und zwar die Menschen, die ihn am meisten bedeuten. Verrückt, wir sprechen ja über Loben von Mitarbeitern und die Frage darf ja auch an dieser Stelle wie immer bei uns gestattet sein, lobe ich denn die Menschen, die mir am meisten bedeuten, begeistere ich die Menschen, die mir am allermeisten bedeuten, mehr als meine Mitarbeiter? Denke mehr darüber nach, ja, wichtiger Punkt.

  80.  
    Jennifer:

    Ja. Vor allem finde ich so wichtig, also wir sagen ja immer, wenn wir Menschen begleiten dürfen, dass es ganz wichtig ist, ganzheitlich hinzuschauen. Wenn es einem zu Hause nicht gutgeht, kann es einem auch auf dem Job nicht so gutgehen, wie es einem gutgeht, wenn das komplette Programm halt eben stimmig ist. Und deswegen finde ich es schon wichtig, zu Hause definitiv anzusetzen, aber dann auch zu gucken, wie gehe ich denn mit Lob, Lob verteilen, Lob schenken, Feedbacks schenken im beruflichen Kontext um? Wie mache ich das überhaupt? Mache ich das überhaupt? Also da erst mal so in die Analyse zu gehen.

  81.  
    Ralf:

    Und kommt das an, also wie kommt es an?

  82.  
    Jennifer:

    Wie holst du dir denn Rückkopplungen ein, dass es ankommt? Woran merkst du es?

  83.  
    Ralf:

    Gute Frage. Ich habe mir aber notiert, was wichtig ist fürs Loben, für unsere Kaffeebohnen. Vielleicht ergibt sich, ja, vielleicht ergibt sich da ein bisschen was draus, dann brauchen wir jetzt Kaffeesatzleserei, um zu gucken, ja, Rückkopplungen. Also ich glaube, ich spüre das schon, wenn ich hingucke und sehe, strahlt jemand, freut der sich, lächelt der, dann sehe ich das schon.

  84.  
    Jennifer:

    Ja, aber das beantwortet ja schon so meine Frage, um dann überhaupt sensibel für mein Gegenüber zu sein, auch hinzugucken, wie nimmt er es denn jetzt wahr, sehe ich jetzt überhaupt irgendwas? Und nicht als Chef zu sagen, ich habe doch gelobt.

  85.  
    Ralf:

    Oder im Vorbeigehen, so richtig im Vorbeigehen, weil mir das eher unangenehm ist und gar nicht präsent bin.

  86.  
    Jennifer:

    Ja, das finde ich, ist schon auch noch mal ein Punkt zum Thema Loben lernen, eben dass es einem nicht unangenehm ist, also wertschätzen, positive Rückkopplung zu geben.

  87.  
    Ralf:

    Und noch mal wichtig, weil ich so an manchem Markt auch sehe, wenn der Chef lobt und gleichzeitig aber noch was verändert, dann ist das Lob nicht angekommen. Ja, wichtig, reflektieren. Ich kann ja loben, super, hast du gut gemacht, sieht toll aus und verändert noch mal drei Dinge, dann ist das Lob gerade getilgt.

  88.  
    Jennifer:

    Ja.

  89. Unsere praktischen Tipps zusammengefasst

  90.  
    Ralf:

    Okay. Gut. Also Fazit, immer dieses Loben hat nichts gebracht, nein. Wichtig, reinhorchen, loben, Lob verteilen, gezielt, ich fand noch mal, was du gesagt hast, sehr konkret, zumindest reflektieren, gehe in dich, gucke, wie machst du es, und nicht frustriert sein, nicht pauschalisieren, sondern ganz konkret hingucken, was Lob für mich bedeutet.

  91.  
    Jennifer:

    Okay. Also die erste Bohne reflektieren, wie gehe ich überhaupt damit um?

  92.  
    Ralf:

    Ja. Dann ein Hammerlob, Lob in der Gegenwart, also nicht, das hast du gut gemacht, sondern das machst du gut. Dann in die Augen schauen, ganz wichtig. Nicht das Objekt, das erschaffen wurde, ob es ein Bericht war oder ein Aufbau oder eine Theke, die eingeräumt wurde, was auch immer, ansehen, sondern den Menschen in die Augen gucken beim Loben.

  93.  
    Jennifer:

    Ja. Ich habe es letztens noch mal, gab eine schöne Situation, was hast du so für eine Faustregel, wann ein Augenkontakt wirklich ein Augenkontakt ist, wann der ankommt, dass es beim anderen spürbar ist, dass wirklich ein Blick in die Augen da ist. Hast du da was?

  94.  
    Ralf:

    Nee.

  95.  
    Jennifer:

    Ich fand das letztens so schön, da sagte mir jemand, Frau Zacher, der Blickkontakt ist wirklich im Bauch, im Herzen angekommen, beim Menschen angekommen, wenn du anschließend sagen kannst, welche Augenfarbe er hat. Und das fand ich ganz schön. Eine Kassiererin fragte mich im Gegenzug, soll ich denn alle tausend Leute, denen ich Hallo gesagt habe, die Augenfarbe zuordnen können? Nein, darum geht’s ja nicht, die zu behalten, aber wirklich anzukommen bei dem Menschen. Und das finde ich, ist auch noch mal ein spannendes Thema, das zu lernen, Menschen auch wirklich in die Augen zu schauen, um jemanden auch zu erreichen. Finde ich gut.

  96.  
    Ralf:

    Ich glaube, haben wir gesagt, Lob ohne „aber“ im Wort. Also wenn ich lobe, Lob und Kritik trennen, und das heißt Lob ohne „aber“, also hast du gut gemacht, aber da musst du noch, passt nicht, weil ich tilge das dann wieder, was davor war. Einen letzten habe ich noch.

  97.  
    Jennifer:

    Okay.

  98.  
    Ralf:

    Wie ich lobe. Kritik, sage ich, Jenny hast du heute Abend mal Zeit, ich würde gerne zwei, drei Dinge mit dir mal in Ruhe besprechen. Da machst du dir schon Gedanken, oh Gott, was ist los. Wenn du reinkommst, sage ich, mach mal Tür zu, nimm mal Platz. Dann weißt du schon, was passiert. Und das Setting für Loben, also der Rahmen fürs Loben ist oft ganz anders. Nebenbei, nicht Tür zu machen, hinsetzen und dann in Ruhe sagen, wollte ich nur mal sagen, hast du super gemacht, ich danke dir dafür.

  99.  
    Jennifer:

    Also wirklich Zeit und Raum.

  100.  
    Ralf:

    Lob über WhatsApp, einen Daumen.

  101.  
    Jennifer:

    Ja. Also wirklich Zeit und Raum schenken.

  102.  
    Ralf:

    Ja. Boah, jetzt haben wir schon ein paar Bohnen.

  103.  
    Jennifer:

    Ja, viele Praxis-Bohnen.

  104.  
    Ralf:

    Ja. Umsetzen.

  105.  
    Jennifer:

    Ja. Am besten zu Hause starten. Also, liebe Hörer und Fans da draußen, guckt zu Hause mal ganz bewusst hin, wo ihr ein ehrliches Lob austeilen könnt. Vielleicht einfach noch mal davon abrücken, was für einen selbst selbstverständlich ist, also nicht nur das Danke, sondern was verdient wirklich auch mal ein Lob.

  106.  
    Ralf:

    Wir können ja im Newsletter so eine Rubrik machen, das beste Lob oder so. Vielleicht lassen wir uns da auch was einfallen. Das war jedenfalls das heiße Eisen.

  107.  
    Jennifer:

    Also nicht sch… Lob,

  108.  
    Ralf:

    Genau.

  109.  
    Jennifer:

    sondern schönes Lob.

  110.  
    Ralf:

    Vielen Dank, das machst du ganz toll, Jenny. Ich bin froh, dass du da bist. Danke, dass wir diesen tollen Podcast zusammen machen können.

  111.  
    Jennifer:

    Ich nehme das gerne so an, dank dir.

  112.  
    Ralf:

    Tschüss!

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