Digitalisierung meistern – Tipps eines „digital Native“

Kaum ein Schlagwort dominiert unsere Zeit wie Digitalisierung. Denn – ob wir es mögen oder nicht – wir befinden uns in einem digitalen Zeitalter. Fast alle Facetten unseres privaten und beruflichen Leben sind schon heute von digitalen Medien und Technologien geprägt. Und dieser Einfluss nimmt mit rasender Geschwindigkeit noch weiter zu. Eines ist sicher: Das Internet und digitale Technologien sind hier um zu bleiben. Und gerade deshalb ist es so wichtig JETZT anzufangen, diese Realität zu akzeptieren und Wege zu finden, Digitalisierung für sich positiv zu nutzen. Denn das ist heute ein ganz entscheidender Faktor für unsere Zufriedenheit und unseren Erfolg – für jeden einzelnen von uns und Unternehmen gleichermaßen.

Digitalisierung – Fluch und/oder Segen?

Für mich als Digital Native und Kind der Generation Y ist ein Leben ohne Computer und Smartphone unvorstellbar. Versuche ich es doch einmal, mir ein solches Leben vorzustellen, kommt schnell „Panik“ auf: Wie kommuniziere ich jetzt mit meinen Freunden in Südafrika? Wie lerne ich jederzeit und ortsunabhängig neue Dinge, wenn nicht über Wikipedia und YouTube? Wie erreiche ich potentiell Millionen von Menschen mit meiner Message, wenn nicht über das Internet? Kurz auf den Punkt gebracht: Der Mehrwert der Digitalisierung ist nicht zu beziffern. Denken Sie jetzt einmal darüber nach, welchen Nutzen die Digitalisierung für Sie und Ihr Unternehmen hat. Ich bin mir sicher Ihnen werden im Handumdrehen eine ganze Menge einfallen. Zum Beispiel eine breitere Neukundengewinnung oder wesentlich schnellere Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenanfragen.

Bestimmt Digitalisierung unseren Alltag?

Halt! Ich bin kein Geblendeter. Trotz meiner Verbundenheit zu der digitalen Welt ist mir sehr wohl bewusst welchen Schaden die Errungenschaften der Digitalisierung sowohl in, als auch zwischen uns Menschen anrichten können. Abhängigkeit, Überforderung, Depressionen, Fake News, Cyber-Mobbing,… Auch hier scheint die Liste kein Ende zu finden. Und auch vor den Gefahren bleiben wir weder im privaten noch im beruflichen Umfeld verschont. Ein achtsamer Blick in der Öffentlichkeit genügt, um zu begreifen wie tiefgreifend der Einschnitt von Smartphones in unser Leben ist. Gerne teile ich dazu eine kurze Geschichte mit Ihnen.

Eine kurze Geschichte

Ich bin auf dem Heimweg von meinem Job in Utrecht nach Den Haag. Es ist Frühling und die Stimmung im Zug ist müde, aber zufrieden. Ich setze mich und schaue mich um. Fast alle meiner Mitreisenden sind schon vor Abfahrt in der Welt von Facebook, WhatsApp, Instagram und Co. versunken. Nichts Bemerkenswertes – alles wie immer. Auch ich greife instinktiv nach meinem Smartphone, lasse es jedoch schnell wieder in meiner Tasche versinken. Denn ich möchte diese eine Stunde Zugfahrt lieber bewusst nutzen, um runterzukommen und einfach die vorbeiziehende Landschaft zu betrachten. Ich saß schließlich schon den ganzen Tag vor dem Bildschirm. So schaue ich also auch an dem Abend aus dem Zugfenster. Weite Wiesen, Kühe und viel Wasser ziehen vorbei – die flache, holländische Landschaft bietet wenig Abwechslung, lädt durch die weite Sicht aber zum Träumen ein. Also auch hier alles wie immer.

Doch dann ein eher seltener Anblick – ein reizender Sonnenuntergang tut sich über den weiten Wiesen auf. Bei der oft sehr grauen holländischen Witterung schon eine Seltenheit. Sofort spüre ich die Wärme der Sonne und genieße das natürliche Farbenspiel aus orange, grün und blau. Ich bin begeistert und dankbar für diesen Anblick und verfalle in leichte Romantik. „So ein selten schöner Anblick wird doch wohl sogar meine Mitreisenden von Ihrem Smartphone lösen können, zumindest ein paar von ihnen”. Jetzt dürfen Sie raten wie viele von den ca. 30 mir sichtbaren Passagieren Ihren Blick hoben und ihr Smartphone beiseite legten. Überrascht musste ich feststellen, dass bei meinen Mitreisenden die digitale Welt gegen die reale gewonnen hat…

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Vielleicht haben auch Sie gerade ähnliche Bilder im Kopf. Denken Sie nur an die vielen, zum Handy geneigten Köpfe in der Öffentlichkeit. Die kennt wohl jeder. Oder vielleicht haben Sie eher Bilder von Mitarbeitern im Kopf, die kaum 20 Minuten ohne Blick aufs Smartphone konzentriert arbeiten können. Und ich erzähle Ihnen ja nichts Neues – jede Technologie, jede  Errungenschaft birgt Chancen und Risiken – die sprichwörtlichen zwei Seiten einer Medaille. 

Drei entscheidende Faktoren

Meiner Meinung nach gibt es ein paar Faktoren, die dafür sorgen, dass der „Digitalisierung-Dschungel“ besonders schwierig zu navigieren ist. Drei entscheidende Faktoren sind erstens die unglaubliche Anzahl an Anwendungsmöglichkeiten, zweitens die Freiheit mit der wir über unseren Nutzen von digitalen Technologien entscheiden können, und drittens die ungreifbare Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen. Damit wir also die Digitalisierung für uns nutzen und Gefahren für uns und unsere Mitarbeiter reduzieren können, brauchen wir Antworten. Wir müssen wissen, wie wir mit den uns gebotenen Anwendungsmöglichkeiten, der Freiheit diese Möglichkeiten für uns zu wählen, und der überwältigenden Geschwindigkeit passend umgehen können. Die richtigen Antworten finden Sie selber. Den Anstoß dazu gebe ich Ihnen mit den folgenden Impulsen.

Wie also schafft man es digitale Technologien effektiv für sich zu nutzen und anderen schmackhaft zu machen?
1. Bewusstheit entwickeln

Ein erster Schritt ist – wie bei so vielen Dingen – eine Bewusstheit für das Thema Digitalisierung zu entwickeln. Machen Sie sich zuallererst ganz bewusst, dass Digitalisierung unaufhaltsam ist. Es gibt keinen Weg zurück. Erkennen und akzeptieren Sie den Einfluss digitaler Medien und Geräte auf Ihren Alltag. Machen Sie sich dann bewusst, dass lebenslanges Lernen heute dazugehört. Wenn Sie jetzt stehen bleiben, werden Sie noch heute von anderen überholt. Die rasante Geschwindigkeit der Veränderungen bedeutet, dass wir uns ständig selber fortbilden müssen. Welche anderen generell zutreffenden Tatsachen fallen Ihnen zu Digitalisierung ein?

Bewusstheit bedeutet für mich übrigens nicht nur, eine Internetrecherche zu den Gefahren der Digitalisierung zu machen. Vielmehr ist hier Selbstreflexion gefragt. Und das ist ein weiterer wichtiger Navigator durch den „Digitalisierungs-Dschungel“.

2. Wo stehen Sie zu dem Thema?

Der zweite Schritt ist es also, sich selbst zu reflektieren. Die Anforderungen und Risiken der Digitalisierung sind persönlich und nicht pauschal zu benennen. Sie sind Führungskraft? Dann fordern und fördern Sie Selbstreflexion auch bei Ihren Mitarbeitern. Als Beispiel hier ein paar Fragen, die Sie sich und Ihren Mitarbeitern stellen können:
Wie ist mein Umgang mit digitalen Medien? Wie viel Zeit verbringe ich auf Facebook oder Instagram? Zu viel? Wie viel Zeit verbringe ich ganz ohne Medien? Zum Beispiel draußen in der Natur? Oder auch ganz anders: Habe ich das Gefühl, von digitalen Medien und Technologien überfordert zu sein? Würde ich gerne einen souveräneren Umgang mit Computer und Co. lernen? Mit welchen Programmen oder digitalen Geräten komme ich wirklich gar nicht zurecht?

Reflektieren Sie für sich – im privaten und im beruflichen Alltag – und Sie werden schnell ein Gefühl dafür bekommen, was Sie brauchen und wollen. Deshalb sind auch folgende Fragen wichtig: Was brauche ich überhaupt? Was muss ich können? Ein weiterer wichtiger Punkt, der Bestandteil Ihrer Selbstreflexion sein sollte, ist die Frage, welche Fähigkeiten und Kenntnisse Sie für den Umgang mit Technologie benötigen. Als Führungskraft zum Beispiel brauchen Sie nicht jede Software und jedes Gerät in- und auswendig zu kennen. Sie sollten allerdings ein gutes Grundverständnis haben, Interesse zeigen und auch Ihre Defizite eingestehen. So erhöhen Sie Ihr Ansehen bei Ihren jüngeren Mitarbeitern und sind ein Vorbild für weniger Technik-affine Mitarbeiter. Denn nachdem Sie Ihre persönliche Erfolgsroute in digitalen Zeiten gefunden haben, können Sie als Beispiel vorangehen und andere mitnehmen.

3. Die Bedeutung sozialer Kompetenzen

Dabei kommen Ihre sozialen Kompetenzen ins Spiel. Und die Stärkung jener ist ein dritter Schritt. Obwohl ein Großteil unserer Kommunikation heute digital stattfindet (WhatsApp, E-Mail, Facebook), sind nach Meinung vieler die sozialen Kompetenzen noch wichtiger geworden. Warum? Soziale Kompetenzen machen den Unterschied zwischen uns und den immer allgegenwärtiger werdenden „Maschinen“ aus, sie unterstützen uns und andere dabei, den „Digitalisierungs-Dschungel“ erfolgreich zu navigieren, und mit hoher sozialer Intelligenz sowie kommunikativen Fähigkeiten heben Sie sich von anderen ab. 

Der wichtigste Punkt 

Den meiner Meinung nach wichtigsten Punkt erläutere ich etwas näher. Damit Digitalisierung im Unternehmen (und in der Familie) gelingt, nehmen Sie Ihre Mitarbeiter (Kollegen und Verwandte) mit auf die Reise. Das erweist sich vielleicht anfangs als herausfordernd, weil erst einmal bestehende Ängste und Vorbehalte adressiert werden müssen. Dafür ist eine Unternehmenskultur, die Offenheit für Neues fördert und auch Fehler zulässt, sehr wichtig. Begegnen Sie Unsicherheiten und Zweifeln offen. Zeigen Sie Verständnis und betonen Sie, dass Sie im gleichen Boot sitzen. Zeichnen Sie durch Ihr eigenes Engagement einen Weg vor, bieten Sie Ihre Unterstützung an, setzen Sie Digitalisierungs-Paten als „Reisebegleiter“ in Ihrem Unternehmen ein, führen Sie kleine eLearning Elemente ein – zum Beispiel mit kurzen Schulungsvideos – oder schenken Sie interessierten Mitarbeitern einen Kurs bei der Volkshochschule. Es gibt viele Möglichkeiten, Digitalisierung schmackhaft zu machen und Mitarbeiter zumindest bei den ersten Schritten zu begleiten. Belohnen und honorieren Sie Interesse und Bemühen anstatt fehlende Fähigkeiten zu bestrafen oder zu tadeln. Ob Ihre Mitarbeiter Digitalisierung als Stressfaktor oder als eine neue Welt mit vielen tollen Möglichkeiten ansehen, hängt viel von Ihrer Kommunikation und Ihrer emotionalen Intelligenz (Empathie!) ab.

Starten Sie Ihre Reise jetzt

Starten Sie mit diesen drei Schritten Ihren eigenen Erfolgsweg Richtung digitaler Zukunft. Machen Sie sich jetzt auf den Weg und ergreifen Sie zusammen mit Ihrem Team die vielen Chancen.


Jennifer Zacher-Handke, Ralf R. Strupat, Podcast Cover, Digitalisierung

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